Viele Pflegende nehmen Unterstützungsangebote nicht wahr

10. April 2014, 13:44
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Rotes Kreuz und IG Pflege wollen mehr aufsuchende Beratung für pflegende Angehörige, wie von der Regierung angekündigt

Wien - Die größte Gruppe Pflegender in Österreich sind die Angehörigen von Pflegebedürftigen. Rotes Kreuz und die Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger (IG Pflege) kritisieren, dass diese Gruppe nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit erhalte. Von den rund 450.000 Pflegegeldbeziehern werden 85 Prozent zu Hause betreut, davon werde nur rund die Hälfte von mobilen Diensten unterstützt, rechnet Rotkreuz-Generalsekretär Werner Kerschbaum vor. Unter den Pflegenden sind auch 42.000 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren.

Vor allem die Beratung pflegender Angehöriger müsse ausgebaut werden, sagt Kerschbaum. Dass im aktuellen Regierungsprogramm die Erweiterung von Hausbesuchen geplant ist, sei positiv. Diese aufsuchende Beratung sei sehr wichtig. Andere Angebote würden allein aus Zeitgründen oder auch aus Scham oft nicht genutzt.

Selten in Hospizkarenz

Vorhandene Unterstützungsmöglichkeiten werden bis dato zum Teil nur marginal in Anspruch genommen: So gingen nach Kerschbaums Informationen im Zeitraum 2005 bis 2011 nur 4.172 Personen in Hospizkarenz. Geld aus dem Unterstützungsfonds nahmen 24.000 Personen in Anspruch – damit kann Ersatzpflege für die Dauer eines Urlaubs finanziert werden.

Zusätzlich plädiert Kerschbaum für die Schaffung einer neuen Pflegeunterstützungsmöglichkeit, die im Alltag hilft und etwas mehr Zeit als mobile Pflegedienste im Haushalt verbringt, aber keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung darstellt, wie es die 24-Stunden-Betreuer tun.

"Damit habe ich nicht gerechnet"

Pflegende Angehörige stünden oft "vor einem Berg von Problemen", sagt Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der IG Pflege, die vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde. Ein typischer Satz von Betroffenen, den sie oft vernehme, sei: "Damit habe ich nicht gerechnet." Schwierige Situationen ergäben sich oft durch Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Auf diesen Themenkomplex wolle sich die IG Pflege mit ihrer Lobbyarbeit in diesem Jahr besonders konzentrieren, kündigt Meinhard-Schiebel an. Man wolle Unternehmen motivieren, ihren Arbeitnehmern die Möglichkeit zu Pflegekarenz oder -teilzeit zu geben. Die Option darauf besteht in Österreich seit 1. Jänner. (Gudrun Springer, derStandard.at, 10.4.2014)

  • 85 Prozent der rund 450.000 Pflegegeldbezieher werden zu Hause betreut.
    foto: dpa/oliver berg

    85 Prozent der rund 450.000 Pflegegeldbezieher werden zu Hause betreut.

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