21er Haus: Mängelliste des Rechnungshofs

10. April 2014, 16:53
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65 Prozent Kostenüberschreitung bei Generalsanierung

Wien - Bei ihrer Programmpressekonferenz im Jänner 2014 sprach Agnes Husslein, Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere und des 21er-Hauses, von einem Erfolgsjahr: 2013 kamen die beiden Häuser plus dem im Oktober des Vorjahres eröffneten Winterpalais auf 957.802 Besucher. Auch die finanzielle Situation sei gut: Bei gleichbleibender Basisabgeltung (8,9 Millionen Euro) habe man einen "Eigenumsatz" in der Höhe von 11,72 Millionen erzielt. Der Eigendeckungsgrad habe daher 56,8 Prozent betragen.

Schon damals gestand man auf Nachfrage des Standard ein, Steuergeld als "Eigenumsatz" ausgegeben zu haben und versprach, die Zahlen zu korrigieren. Agnes Husslein konzedierte damals auch, das von Architekt Adolf Krischanitz adaptierte und 2011 eröffnete 21er-Haus würde vom Publikum nicht angenommen: "2013 mussten wir für den Betrieb zwei Millionen Euro zuschießen."

Nun liegt ein Rechnungshofsbericht zur Gebarung der Burghauptmannschaft und der Österreichischen Galerie Belvedere in Bezug auf das 21er-Haus vor. Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Bemängelt wird vor allem die Überschreitung der zu Projektbeginn im Jahr 2008 genehmigten Gesamtkosten von 18,13 Millionen Euro um beinahe zwei Drittel und deren Anstieg auf 29,94 Millionen. Hauptgrund dafür sei die Projekterweiterung der Artothek, die "mangelhafte Qualität der Planungsleistungen samt den damit verbundenen Massenmehrungen und Leistungsänderungen" sowie zu niedrige Kostensätze in der Kostenberechnung.

Allein die späte Entscheidung für die Errichtung der Artothek habe Mehrkosten von 2,11 Millionen Euro verursacht. Der Rechnungshof macht das Kulturministerium, das eine Projekterweiterung gewünscht habe, für die Terminverschiebung verantwortlich und empfiehlt, künftig Nutzerwünsche vor Baubeginn zu definieren. Neben dem Fehlen eines "adäquaten Projektcontrollings" und Mängeln in den Auftragsverfahren gilt die grundsätzlichste Kritik des Rechnungshofs der "nicht zweckmäßigen" Aufteilung der Bauherrenfunktion zwischen Burghauptmannschaft (BH) und Belvedere. Beide hätten externe Dienstleister mit beauftragt, "obwohl bei gemeinsamer Vergabe wirtschaftlichere Ergebnisse als bei Teilvergaben zu erzielen sind".

Wirtschaftsministerium und Burghauptmannschaft argumentieren in ihrer Stellungnahme, Grundlagen dafür seien das Bundesmuseengesetz und dazugehörige Überlassungsverträge: Die Erhaltung der äußeren Hülle und der statisch konstruktiven Teile seien Aufgaben der BH; Umbauarbeiten im Inneren jene des Nutzers. Replik des Rechnungshofs: Das Gesetz ermögliche dem Belvedere "sehr wohl", die BH als technische Dienstleisterin in Anspruch zu nehmen.

Zusammenfassend empfiehlt der Rechnungshof in seinem Bericht den beteiligten Ministerien sowie der Burghauptmannschaft und dem Belvedere, die Projektfinanzierung künftig bereits in der Planungsphase, "jedoch spätestens vor Baubeginn", in vollem Umfang sicherzustellen. Auch die Trennung der Bauherren soll künftig vermieden, Nutzerwünsche sollten vor Baubeginn definiert werden. (APA, asch, DER STANDARD, 11.4.2014)

  • Agnes Husslein: Ärger um das 21er-Haus.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Agnes Husslein: Ärger um das 21er-Haus.

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