Marc Jacobs: Alex fühlt sich nackt

13. April 2014, 16:39
25 Postings

Fantastische Geschichten aus der Welt der Werbung - Heute die Marc Jacobs-Kampagne: Wie Alexander van der Zweyden nackt auf das rote Sofa kam

Alexander van der Zweyden stammte aus einer der ältesten und ehemals reichsten Familien New Yorks - eine Tatsache, bei deren Erwähnung Alex meistens einen fahren ließ. Ihn als das schwarze Schaf der Familie zu bezeichnen, wäre wohl eine Untertreibung; die meisten seiner Verwandten sahen ihn eher als eine Art Schwarzes Loch finanzieller Art.

Jedenfalls war Alex der erste in der langen Geschichte der Van der Zweydens, dem die Zuwendungen aus dem Familientrust gestrichen wurden, den Alex‘ Ururgroßvater Cornelius van der Zweyden Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet hatte - Cornelius hatten einst weite Teile Manhattans gehört.

Alex war das alles wurscht. Seine Freunde hatten eh genug Geld, und seine Lieblingstante Greta steckte ihm manchmal ein paar Tausender zu, wenn’s eng wurde. Der seit Generationen vorgezeichneten Ochsentour der männlichen Familienmitglieder - Internat in der französischen Schweiz, Studium in Harvard, dann ab in eine Bank - hatte sich Alex schon nach der ersten Station verweigert. Sein Weg hieß Party, Party, Party. Vor ein paar Jahren wollte er sich sein Lebensmotto "Ne travaillez jamais" auf die Brust tätowieren lassen, hatte sich dann aber aus einer Laune heraus für die Monate des zweiten Jahresquartals entschieden. War doch noch lustiger.

Splitternackt im Waldorf Astoria

Gott, und was war das wieder für eine Nacht gewesen! Alex konnte sich nur noch schemenhaft erinnern. Sie hatten mit Cocktails im "The Pierre" begonnen, dann bei einem Freund, der ums Eck wohnte, weitergetrunken und waren irgendwann auf einer Party bei den Schnabels gelandet. Julian war jetzt mit dieser blonden Fashion-Oma aus der Schweiz zusammen. Oder kam die aus Deutschland? Und hatte die nicht eh schon genug Kinder? Egal.


Foto: Lukas Friesenbichler; Werbemotiv von Juergen Teller

James Franco war auch dagewesen, cool. Alex hatte als Kind Spiderman geliebt und die Bösen schon damals deutlich interessanter gefunden als die Guten. Franco hatte ihm erzählt, dass er gerade am Broadway Theater spielen würde. Alex war kurz perplex gewesen: Theater, das gab es noch? Und es gab wirklich noch Leute, die Theater spielten, so in echt?

Die Party war dann noch lange weitergegangen - war da Paris Hilton noch kurz aufgetaucht, oder hatte er das geträumt? - Und irgendwann war Alex dann aufgewacht, in der Roosevelt-Suite des Waldorf Astoria, allein und ohne Kleider. Direkt gegenüber von seinem Bett stand eines der riesigen rosaroten Sofas aus der Hotellobby. Und auf dem Sofa lag sein Handy. Hm. Jetzt erst mal einen Martini.

Das Personal im Waldorf Astoria war erstklassig, das musste man sagen. Der Mann vom Room-Service hatte nicht mit der Wimper gezuckt, als Alex ihm splitternackt die Tür geöffnet hatte. Und als er ihn gebeten hatte, von ihm ein Foto auf dem Sofa zu machen, war das auch kein Problem gewesen. Blöd, dass er ihm kein Trinkgeld geben konnte. (Stefan Ender, derStandard.at, 13.4.2014)

  • Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Phantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet fotografierte Lukas Friesenbichler, das Werbemotiv stammt von Juergen Teller.

  • Artikelbild
    foto: lukas friesenbichler
Share if you care.