Köstingers Kampf gegen "Chlorhendln"

10. April 2014, 11:15
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Bauernbund präsentiert eigene Spitzenkandidatin auf zweitem ÖVP-Listenplatz - Stehe für bäuerliche Produktion und Jugend

Der Bauernbund ist am Donnerstagvormittag offiziell in den EU-Wahlkampf eingestiegen. Die ÖVP-Teilorganisation präsentierte ihre eigene Spitzenkandidatin Elisabeth Köstinger, die bereits seit 2009 Erfahrung als Europaparlamentarierin hat, flankiert von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und Bauernbund-Präsident Jakob Auer. Ziel sind 50.000 Vorzugsstimmen, ein Direktmandat.

Für den bäuerlichen Wahlkampfstart ausgewählt wurde ein Badeschiff am Wiener Donaukanal - nicht um baden zu gehen, sondern um "Unterstützer ins Boot zu holen, es ist noch nicht voll", wie es Rupprechter, Chef des Köstinger-Unterstützungskomitees, sagte. Zu den Köstinger-Unterstützern gehören auch Ex-EU-Kommissar Franz Fischler und Ex-Kanzler und RWE-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Schüssel.

"ÖVP ankreuzen und Köstinger reinschreiben", lautet das Bauernbund-Credo. Für die 50.000 Vorzugsstimmen und das Direktmandat seien rund fünf Prozent der Stimmen notwendig, die auf die ÖVP entfallen würden, rechnete Auer vor. Köstinger stehe nicht nur für den ländlichen Raum, man wolle mit ihr auch die junge Generation und die Frauen ansprechen, so Auer, der bemerkte, Köstinger sei "nicht nur optisch herzeigbar". Sie verstehe ihr Geschäft, und es sei eine Ehre für den Bauernbund, die Listenzweite der ÖVP zu stellen.

Bauernbund-Vizepräsidentin

Die Kärntnerin Köstinger, Bauernbund-Vizepräsidentin und bereits des Öfteren als ÖVP-Zukunftsaktie gehandelt, will für eine "nachvollziehbare Produktion" stehen - sie wolle gegen eine reine Agrarindustrie auftreten. Sie sei die Stimme für den ländlichen Raum, den bäuerlichen Familienbetrieb.

Köstinger, bisher im Agrar- und Handelsausschuss im EU-Parlament, will "weder Gentechnik, noch Hormone, Klone, Chlorhendl oder reine Agrarindustrie auf europäischen Tellern". Das sogenannte Chlorhendl war wegen der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP seitens der EU mit den USA aufs Tapet gekommen. Mit zwei "Petitionen" auf ihrer neuen Homepage - eine zum Nein zur Gentechnik auf heimischen Feldern, eine gegen ungebremsten Freihandel - startet sie nun in den Wahlkampf. Bei diesen beiden Themen handle es sich um ihre "Kernthemen".

Wahlbeteiligung

"Es geht darum: Wollen wir bäuerliche Landwirtschaft in Europa erhalten oder Industrialisierung beugen? Es braucht Einsatz dafür, zu welchen Standard Produkte nach Europa importiert werden können", sagte Köstinger vor Journalisten. Und diesen Einsatz werde sie leisten.

Auch Köstinger, die ein "generelles Problem" geringer Wahlbeteiligung sieht, gegen das sie einen Beitrag leisten wolle, sprach sich wie kürzlich Rupprechter für einen "Beitrag des österreichischen Lebensmittelhandels" für die heimischen Bauern bzw. deren Produkte aus. Zu den Kosten ihres Vorzugsstimmenwahlkampfs wollte sie sich nicht äußern - er sei günstig und baue auf persönliche Kontakte sowie Internetaktivitäten und deren Multiplikatoren auf.

Zu den Arbeiten an einer neuen Ausformung des ÖVP-Programms sagte die EU-Parlamentarierin, es müssten gesellschaftspolitische Änderungen berücksichtigt werden, ohne Wurzeln zu vergessen. Zum Adoptionsrecht für Homosexuelle sagte sie, es gebe Widerstand in der Bevölkerung. Festlegen wollte sie sich nicht auf eine persönliche Meinung: Man sei in einem Diskussionsprozess. (APA, 10.4.2014)

  • Bauernbund-Spitzenkandidatin Elisabeth Köstinger.
    foto: apa/evp-fraktion

    Bauernbund-Spitzenkandidatin Elisabeth Köstinger.

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