ORF nahm 354 Millionen Euro aus kommerziellen Geschäften ein

10. April 2014, 06:01
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2013: 208 Millionen aus klassischer Werbung - 41,6 aus Sonderwerbung – 11,4 Online – 16,4 Millionen durch Smartcards - 21,7 aus Wertpapieren und Beteiligungen

Wien - Der ORF muss dem Nationalrat nicht nur jährlich berichten, wie er seinen Programmauftrag erfüllt. Sein Jahresbericht ans Parlament muss auch die kommerziellen Einnahmen des ORF recht detailliert auflisten. 354 Millionen waren das im Jahr 2013 – neben 615 Millionen Euro aus Gebühren.

Die Gebührenerhöhung von Mitte 2012 wirkte 2013 erstmals im Gesamtjahr und bescherte dem ORF so 20 Millionen mehr als 2012. Die kommerziellen Einnahmen gingen laut Jahresbericht gegenüber 2012 etwas zurück – von damals 367,4 um 13,4 auf 354 Millionen.

Woher kommen diese 354 Millionen? Soweit sich das aus der Passage des Jahresberichts zusammenklauben lässt:

Klassische Radio- und TV-Werbung sinkt

Klassische Werbung in Radio und Fernsehen brachte dem ORF 2013 laut Jahresbericht netto 208,2 Millionen Euro; ein Jahr zuvor waren es 210,7 Millionen. 

Nach früheren Infos der ORF-Geschäftsführung legte das Fernsehen leicht zu - von 137,5 auf 139 Millionen Euro national ohne Landesstudios. Das Radio verlor.

Der ORF zahlte seiner Werbetochter Enterprise 9,8 Millionen Euro Provision - womit die Werbung 2013 zum Ergebnis der Mutter noch 198,4 Millionen Euro beitrug.

Sonderwerbeformen in Radio und TV

Sonderwerbeformen wie Sponsorings und Placements sind in den Radio- und TV-Daten nicht enthalten. Sie liegen 2013 (wie 2012) bei immerhin 41,6 Millionen Euro.

Sonderwerbung im Fernsehen - national wie regional - trug dazu 28,3 Millionen Euro bei; jene im Radio (national und regional) die übrigen 13,3 Millionen Euro.

Die Akquisition dieser Sonderwerbeformen kostete den ORF laut Jahresbericht 7,1 Millionen Euro - blieben also netto 34,5 Millionen Ertrag.

Onlinewerbung steigt

Die Online-Werbeeinnahmen stiegen laut Jahresbericht von 2012 9,7 Millionen Euro "leicht" auf 2013 11,4 Millionen. Sie einzunehmen, kostete den ORF laut Jahresbericht 2,4 Millionen Euro - ergibt unter dem Strich 9 Millionen Euro Ergebnisbeitrag.

Millionen aus dem Smartcard-Verkauf

Eindrucksvoll die kommerziellen Einnahmen aus dem Verkauf von Smartcards (für Satellitenempfang): 16,4 Millionen Euro im Jahr 2013, 2012 waren es 15,2 Millionen Euro. Das ist keineswegs, was dem ORF unter dem Strich bleibt - aber auch der Wert soll sich deutlich im Millionenbereich bewegen.

Kabelnetze zahlten dem ORF für die Einspeisung übrigens 2013 2,5 Millionen Euro (zu finden unter "Programmverwertung")

Finanzerfolg sinkt

21,7 Millionen Euro Finanzerfolg weist der ORF-Jahresbericht aus - nach 28,9 Millionen Euro anno 2012.

Wertpapiere und Zinsen brachten 2013 5,8 Millionen Euro (nach 8,8 Millionen 2013).

Beteiligungen verschafften dem ORF laut Jahresbericht 15,9 Millionen (nach 20,1).

Lotto-Millionär

Der ORF hält 18,8 Prozent an der Lotto-Toto-Holding. Der Jahresbericht verbucht 1,9 Millionen Euro an "Stand-Alone-Aktivitäten" zum "Großteil" aus dieser Beteiligung. Sie bringt freilich noch mehr: Die dem ORF bezahlte "mediale Unterstützung der Lotterien" (für Lotto-Promotionsendungen wie "Brieflos-Show") betrug 2013 2,7 Millionen Euro.

"Mediale Unterstützung (zentraler Anteil)" ohne Nennung der Geldquelle (es sind ebenfalls die Lotterien) findet sich auch in der Rubrik "Erträge aus Programmverwertung" - das sind weitere 8,4 Millionen Euro. 

Koproduktionen und Lizenzen (inklusive der 2,7 Lotto-Millionen) brachten dem ORF 2013 29,8 Millionen Euro; die Hälfte davon aus Koproduktionen mit anderen Sendern. 

Tochter-Millionen

Den eigenen Tochterunternehmen verdankt der ORF 27,3 Millionen kommerzielle Einnahmen; bei kommerziellen Kosten von 24,3 Millionen laut Jahresbericht bleiben 3 Millionen kommerzielles Plus.

Sonstige und übrige

Nach all den Positionen bleiben noch 27,6 Millionen im Ergebnis wirksame kommerzielle Einnahmen. Das sind laut Bericht "sonstige Erträge aus dem laufenden Geschäft", "Erträge aus technischen Hilfeleistungen", Erlöse des ORF-Radio-Symphonieorchesters, Auflösungen von Rückstellungen, "diverse Miet- und Pachterträge", "Erlöse aus der Parkraumbewirtschaftung" (ORF-Parkplätze kosten inzwischen), "Kostenvergütungen" und "sonstige Erlöse". Und "übrige kommerzielle Erträge" von "rund 4,2 Millionen Euro", "vorwiegend" zurückgeführt auf aufgelösten Rückstellungen, Wertberichtigungen, Kursdifferenzen "und auf sonstige Erlöse wie Schadensvergütungen".

Kommerzielle Kosten

Nicht nur kommerzielle Einnahmen hat der ORF - kommerzielle Tätigkeiten kosten auch: Die Antennen-TV-Plattform SimpliTV (Programmbukett für DVB-T2) zum Beispiel kostete den ORF laut Jahresbericht 5,1 Millionen. (red, derStandard.at, 10.4.2014)

  • 354 Millionen Euro nahm der ORF im Jahr 2013 ein.
    foto: apa/hochmuth

    354 Millionen Euro nahm der ORF im Jahr 2013 ein.

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