Saudi-Arabien erwägt Sportunterricht für Mädchen

9. April 2014, 17:25
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Beratergremium empfiehlt Aufhebung des bisherigen Verbots

Riad - Saudi-Arabien erwägt die Einführung von Sportunterricht für Mädchen, nachdem ein Beratergremium der Regierung die Aufhebung des umstrittenen Verbots empfohlen hatte. Der Schura-Rat empfahl nach hitziger Debatte dem Bildungsministerium, das bisherige Verbot komplett aufzuheben, wie Staatsmedien am Mittwoch berichteten. An Privatschulen war es bereits gelockert worden.

Der Rat, dessen 150 überwiegend männliche Mitglieder ernannt werden, kann nur Empfehlungen aussprechen. Sie sind für die Regierung nicht bindend.

Schulunterricht findet in Saudi-Arabien streng nach Geschlechtern getrennt statt. Sport an Mädchenschulen ist in dem erzkonservativen Königreich ein äußerst sensibles Thema. Die Befürworter der Einführung von Sportunterricht argumentieren, damit könne das wachsende Problem von Übergewicht bei Mädchen bekämpft werden. Zudem verwiesen sie auf ein Urteil des verstorbenen obersten Gelehrten, des Großmufti Scheich Abdel Asis bin Bas, wonach Frauen "im Rahmen der vom islamischen Gesetz definierten Grenzen" Sport betreiben dürften.

Die Möglichkeiten zur körperlichen Ertüchtigung für Frauen sind stark eingeschränkt, die wenigen Fitnessstudios für weibliche Klientinnen wurden 2009/2010 geschlossen. Sportstätten für Männer können sie aufgrund der geltenden Geschlechtertrennung und des kompletten Verschleierungsgebots für Frauen in der Öffentlichkeit nicht nutzen.

Aufgrund internationalen Drucks entsandte Saudi-Arabien 2012 erstmals zwei Sportlerinnen zu den Olympischen Spielen in London, sie traten mit Kopf und Körper bedeckender Kleidung an. (APA/red, 9.4.2014)

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