Flug MH370: Suche im Heuhaufen des Indischen Ozeans

9. April 2014, 17:31
134 Postings

Die Suche nach der verschollenen Boeing aus Malaysia verursacht laut Fachleuten Kosten in Millionenhöhe. Welche Chance besteht eigentlich, dass die Signale in 4500 Meter Tiefe tatsächlich von der Blackbox stammen, und sollte die Batterie nicht schon leer sein?

Frage: Am Montag hieß es noch, die Batterie des Flugschreibers sei nun leer. Jetzt sendet sie anscheinend wieder Signale. Also was denn nun?

Antwort: Die Mindestdauer der Batterie ist mit 30 Tagen berechnet, das wäre der 8. April gewesen. Allerdings sind Fälle bekannt, bei denen die Batterie auch nach 40 Tagen lief. Es gibt also kein exakt vorhersehbares Enddatum.

Frage: Ist es begründet, dass die Suchmannschaften von der "bisher besten Information" schwärmen?

Antwort: Es ist nicht bestätigt, dass es die empfangenen Signale der vergangenen Tage tatsächlich aus der Blackbox gesendet wurden. Allerdings gibt es (noch) keine andere Erklärung dafür.

Frage: Wie funktioniert die Ortung mit dem Flugschreiber?

Antwort: Der Sender außen an der Blackbox beginnt bei Kontakt mit Salzwasser Ultraschallwellen mit einer Frequenz von 37,5 Kilohertz auszusenden, etwa einmal pro Sekunde. Diese Regelmäßigkeit soll das für Menschen unhörbare Signal von anderen Geräuschen im Ozean unterscheidbar machen.

Frage: Was ist, wenn ein Flugzeug in einen See stürzt?

Antwort: Funktioniert die Suche nur über Wrackteile.

Frage: Welche Informationen speichert die Blackbox eigentlich?

Antwort: Alle technischen Informationen des Fluges, etwa Flughöhe und Geschwindigkeit, aber auch Unterhaltungen im Cockpit.

Frage: Wo wird nach dem Flugschreiber gesucht?

Antwort: Das Suchgebiet liegt rund 2300 Kilometer von der westaustralischen Stadt Perth entfernt. Die Trümmerteile werden in einer Tiefe von 4500 Metern im indischen vermutet - das entspricht nicht ganz dem Mont Blanc mit seinen 4810 Metern Höhe.

Frage: Warum dauert die Suche bei derart vielen Anhaltspunkten so lang?

Antwort: Die Signale wurden am 1. April von chinesischen und am 6. April von australischen Suchteams aufgezeichnet - allerdings mit einem Abstand von mehr als 500 Kilometern zueinander. Das berechnete Gebiet umfasst insgesamt eine Fläche von etwa 1300 Quadratkilometern, der mehr als dreifachen Fläche von Wien.

Frage: Was kostet die Suche nach der verschollenen Boeing?

Antwort: Die "New York Times" berichtete in ihrer Mittwochsausgabe von "täglichen Kosten in Millionenhöhe" -, was die Fahndung nach Flug MH370 laut Fachleuten wohl zur teuersten der Geschichte machen dürfte. Laut Behörden sind durchschnittlich bis zu 15 Flugzeuge und 14 Schiffe gleichzeitig im Einsatz. Die australische Ocean Shield hat das vermeintliche Ping der Blackbox mit einer Schleppsonde empfangen.

Frage: Welche Länder beteiligen sich an der Suche im Indischen Ozean?

Antwort: Allen voran Australien und China. Aber auch die Streitkräfte Japans, Malaysias, Neuseelands, Südkoreas sowie der USA wirken an der großangelegten Aktion mit. (juh, DER STANDARD, 10.4.2014)

Wissen: Verschwörungen und Theorien

Bei unerwarteten Ereignissen, wenn etwa Satelliten ein hunderte Tonnen schweres Flugzeug übersehen, greifen viele Menschen gern auf Verschwörungstheorien zurück. Der Mangel an Erklärungen bietet auch im Fall von MH370 Grundlage für mehr oder weniger glaubwürdige Konspirationsmodelle.

Neben einem erweiterten Suizid des Piloten mit 238 Opfern ist die Möglichkeit einer Entführung unter den Anhängern eine der populärsten im Netz. Medienmogul Rupert Murdoch vermutet die Boeing im Norden Pakistans - Taliban hätten sie dorthin gelotst, wo auch Osama bin Laden seine Pension verbringen würde. Jene Fraktion, die die USA hinter einer Entführung wähnen, gehen von einer Landung am Navy-Flughafen "Diego Garcia" im Indischen Ozean aus.

Der konservative US-Radiomoderator Rush Limbaugh tippt auf einen Abschuss - der Ausfall von Funk und Elektronik hätte einen der "unfreundlichen Staaten" veranlasst, die Maschine vom Himmel zu holen und die Panne zu verschweigen.

Zu den Astro-Thesen zählen das Verschlucken durch ein Schwarzes Loch, die Kollision mit einem Meteoriten oder - kreativer - einen Alien-Eingriff. Erdverbundene Spekulanten verorten Logen wie die Illuminaten hinter dem Verschwinden.

  • Auch wenn es Hinweise gibt: Das Suchgebiet erstreckt sich über rund 1300 Quadratkilometer im Indischen Ozean.
    foto: epa/wood

    Auch wenn es Hinweise gibt: Das Suchgebiet erstreckt sich über rund 1300 Quadratkilometer im Indischen Ozean.

Share if you care.