Hypo erhält weitere 750 Millionen Euro

9. April 2014, 17:14
207 Postings

Nächsten Mittwoch wird der Aufsichtsrat der Hypo Alpe Adria die Bilanz 2013 beschließen. Die Hypo International schreibt einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro

Wien - Die staatliche Hypo Alpe Adria bekommt ihre Kapitalspritze von 750 Millionen Euro, das hat die Hauptversammlung am Mittwoch beschlossen. Das Geld wird, wie berichtet, zum Großteil für die Bilanz 2013 benötigt. Rund 440 Millionen gehen für die weitere Abwertung des Südosteuropa-Netzwerks drauf, weitere 70 Millionen für zusätzliche Risikovorsorgen, auf die der Wirtschaftsprüfer bestanden hat.

Bis September wird die Bank, wie berichtet, insgesamt 1,43 Milliarden Euro brauchen, wobei allein rund 330 Millionen für die Auffüllung des von der Aufsicht vorgeschriebenen Eigenkapitalpolsters entfallen. Sollte der Wirtschaftsprüfer (etwa zum Halbjahr) auf die Abwertung des Südosteuropanetzwerkes und Italien auf null bestehen, müssten weitere rund 640 Millionen Euro abgeschrieben werden.

Milliardenverlust

Probleme von morgen freilich, denn derzeit ist noch nicht einmal die Vorjahresbilanz fixiert, erst kommenden Mittwoch wird die der Aufsichtsrat absegnen. Laut Informationen des STANDARD hat die Hypo International (Einzelinstitut) einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro eingefahren, der Konzern einen von 1,9 Milliarden.

Zuletzt sind auch etliche der südosteuropäischen Banktöchter ins Minus gerutscht. Sogar die Entwicklung in Serbien und Kroatien, den bisher stabilsten Märkten, habe die Banker "enttäuscht", sagt einer der Involvierten. Das südosteuropäische Bankennetzwerk muss gemäß EU-Vorgabe bis Mitte 2015 verkauft werden.

Berlin beruft gegen Urteil

In Sachen Vergangenheitsbewältigung gab es für den vormaligen Vorstandschef der Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, am Dienstag kurz vor Mitternacht ein niederschmetterndes Strafurteil, das freilich nicht rechtskräftig ist. Im Prozess um die Vorzugsaktien II wurde der Banker wegen Untreue zu 26 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Dem Spruch des Schöffensenats waren stundenlange Plädoyers von Berlins Anwälten vorausgegangen.

Berlin wurde vorgeworfen, beim Verkauf der Kärntner Bank an die BayernLB wichtige Informationen über die Kapitalausstattung verschwiegen zu haben. Die Hypo hatte vor dem Verkauf Vorzugsaktien begeben, um ihre Eigenkapitaldecke aufzupolstern. Um die Papiere leichter verkaufen zu können, wurden den Investoren Put-Optionen eingeräumt: Sie konnten die Papiere jederzeit zurückverkaufen. Diese Nebenabsprache sei jedoch geheim gehalten worden. Berlin bestreitet die Vorwürfe und hat berufen, es gilt die Unschuldsvermutung.

Die bereits zuvor verurteilten Exbanker Wolfgang Kulterer und Josef Kircher hatten auf Rechtsmittel verzichtet. (Renate Graber, DER STANDARD, 10.4.2014)

  • Er weist die Vorwürfe rund um die Vorzugsaktien zurück, fühlt sich selbst betrogen und berief gegen das Urteil, das ihn für zwei Jahre und zwei Monate hinter Gitter schicken würde: Tilo Berlin.
    foto: apa/eggenberger

    Er weist die Vorwürfe rund um die Vorzugsaktien zurück, fühlt sich selbst betrogen und berief gegen das Urteil, das ihn für zwei Jahre und zwei Monate hinter Gitter schicken würde: Tilo Berlin.

Share if you care.