Krakeelend und ungehorsam

9. April 2014, 17:40
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Objekte von Cäcilia Brown in der Galerie Gabriele Senn

Wien - Sind wir etwas anderes als Suchalgorithmen im Internet? Ein Statement zu dieser Frage gibt Cäcilia Brown auf ihrer Künstler-Webseite ab: Klickt man dort auf ihren Namenszug (bis auf einen Kontaktbutton der einzige Inhalt der Seite), gelangt man ohne Umwege zu jenen Bildern, die Google bei der Eingabe ihres Namens ausspuckt: eine Ergebnisliste inklusive aller Fehltreffer.

Sicher nicht unabsichtlich verweist die in Wien lebende, 1983 in Sens (Burgund, Frankreich) geborene Künstlerin auf diese Weise auf eine Unschärfe im "öffentlichen Bild" einer Person. Außerdem stellt Brown damit eine direkte Verbindung zwischen dem virtuell zu erfahrenden, öffentlichen Raum des World Wide Web und unserer unmittelbaren, physisch-greifbaren Umwelt her, also jenem Raum, in dem und mit dem Brown vorrangig tätig wird.

So ließ sie 2010 auf einem Flüsschen in Charleroi (Belgien) einen Zebrastreifen aus recyceltem Styropor schwimmen oder improvisierte im selben Jahr aus Gerüststangen eine Hollywoodschaukel, deren öffentliches Image durch das Vorleben der Stahlteile als Träger von Wahlplakaten bestimmt war: Stets gibt es in Browns Arbeiten eine – zumindest gedankliche – Verbindung zwischen privater Sphäre und öffentlichem Raum.

In ihrer Abschlussarbeit an der Akademie 2011 (Performative Bildhauerei) verwies Brown mit bedruckten Baunetzen, die ein Trampolin umzäunten, auf das Bewahren historischer Fassaden. Eine Unflexibilität, die im Springen spielerisch ausgedehnt wurde.

In den nun in der Galerie Senn präsentierten, jüngeren Arbeiten Cäcilia Browns ist der skulpturale Charakter allerdings so stark, dass man nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, ob nun wiederverwertet wurde oder die Objekte und Materialien des urbanen Raums nur mehr als Zitate und Motive fortleben: Titel wie Drehfoyer, Stadtpark, Entglasung führen den Betrachter aber sehr schnell weg vom White Cube, hinaus in die Stadt, wo Stadtmeublagen und Objekte den gemeinsam genutzten Raum definieren, Grenzen ziehen, Funktionen vorgeben. nun entschuldigen sie mir, ich bin hier krakeelen in der Ausstellung etwa Verschalungsbretter, die sich ihren Platz nicht streitig machen lassen wollen.

Wir sind doch keine Räuber, wir sind ja nicht einmal Diebe: Diesen Titel hat Brown - ihren Neffen zitierend - ihrer ersten Soloschau in der Galerie gegeben. Aber was sind wir dann? Wir sind doch keine Diebe, wenn wir die Freiheit der Grenzüberschreitung nutzen möchten. "Es ist so, als ob die Tür des eisernen Käfigs offen steht, aber eine seltsame und paralysierende Macht uns am Entkommen hindert." (aus: Glass Cages and Glass Palaces, Yiannis Gabriel). (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 10.4.2014)

Bis 3. 5.

Galerie Gabriele Senn

Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien

  • Aus Cäcilia Browns Serie "Intercity. Willkommen im Parlament", 2013.
    foto: iris ranzinger

    Aus Cäcilia Browns Serie "Intercity. Willkommen im Parlament", 2013.

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