IEA ortet in Österreich Schiefergas-Potenzial

9. April 2014, 14:59
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Die Internationale Energie-Agentur (IEA) stellt Österreich in ihrem neuen Länderbericht grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus

Wien - Die Internationale Energie-Agentur (IEA) stellt Österreich in ihrem neuen Länderbericht ein gutes Zeugnis aus, regt aber noch weitere Schritte für mehr Versorgungssicherheit etwa bei Strom und auch eine Stärkung des Endkundenmarktes durch Energieeffizienz und Wettbewerb an. Auch zur CO2-Reduktion konnte trotz bisheriger Erfolge noch Weiteres getan werden, so die IEA.

Die Einbindung Österreichs in die Strom- und Gasmärkte in Europa sollte die Regierung weiter fördern durch eine enge Koordinierung und Kooperation mit den Nachbarländern, sagte IEA-Direktorin Maria van der Hoeven am Mittwoch bei der Vorlage des Berichts in Wien: "Österreich muss vor allem die grenzüberschreitenden Netzverbindungen und die Marktkoppelung mit Osteuropa ausbauen." Es gehe um Investitionen in die Energienetze sowie eine Nachfragesteuerung und die Integration erneuerbarer Energien durch kosteneffiziente und marktbasierte Instrumente.

Als weitere Punkte auf der "To-do-Liste" für Österreich nannte die IEA-Direktorin u.a. explizit notwendige Investitionen in die Übertragungs- und Verteilnetze, straffere und transparentere Genehmigungsverfahren, in die die Bürger möglichst früh einbezogen werden, und eine Konzentration auf Wasserkraft-Pumpspeicher zur Stromerzeugung. Trotz erfolgreicher Bemühungen in anderen CO2-Emissions-Sektoren bleibe "der Verkehr ein Problembereich".

Schiefergas-Potenzial

Van der Hoeven betonte das aus Sicht der IEA in Österreich bestehende Schiefergas-Potenzial, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) bremste diesbezüglich aber im gemeinsamen Pressegespräch: Es gebe derzeit keine Projekte und keine Anträge dafür, auch die OMV habe keine derartigen Pläne, sagte er. Van der Hoeven zeigte sich davon ungerührt und meinte: "Ich weiß, Österreich ist zögerlich. Wir ermutigen die Regierung aber, ihre Position zu überdenken."

Die gute heimische Erdölversorgungssicherheit sollte durch eine zweite Erdölleitung verbessert werden, regte die IEA-Direktorin an. Mitterlehner erinnerte, dass die zweite im Gespräch stehende Ölleitung - zwischen der OMV-Raffinerie Wien-Schwechat und Bratislava - auf slowakischer Seite "hängt". Mit einem Lückenschluss zwischen der bei Bratislava endenden "Drushba"-Pipeline ("Freundschaft") und der Adria-Wien-Leitung gäbe es mehr Versorgungssicherheit, sind sich IEA und der Minister einig.

Die Abhängigkeit Österreichs von fossilen Energieträgern sei, trotz einer gelungenen Senkung, noch immer recht hoch, so van der Hoeven. Bei dem für Österreich wichtigsten Energieträger weise unser Land eine Bevorratung von rund 110 Tagen bezogen auf die Nettoimporte auf. Bei Erdgas sieht Mitterlehner Russland trotz der aktuellen Ukraine-Krise weiter als Partner. Russland steuert physikalisch etwa 80 Prozent bzw. vertraglich zirka 60 Prozent zur Gasversorgung Österreichs bei, sagte die IEA-Direktorin. Durch die Ukraine-Ereignisse "nehmen wir die Energiesituation sehr ernst", fügte sie hinzu.

Deutliche Verbesserungen bei Energiepolitik

Seit dem letzten IEA-Bericht aus 2008 habe es in Österreich "deutliche Verbesserungen" gegeben, sagte van der Hoeven zur heimischen Energiepolitik: "Österreich hat eine ausgewogene Energiepolitik, die die Energieversorgung stärkt - und ist gut aufgestellt, um auf die Herausforderungen zu reagieren." Als wesentliche Trends nannte sie die Stabilisierung der Energiegewinnung, den Rückgang bei fossilen Energieträgern und den Vormarsch der Erneuerbaren.

Als Folge davon seien die Treibhausgas-Emission in Österreich seit dem Höchststand im Jahr 2005 rückläufig. Zudem habe Österreich eine hohe Versorgungssicherheit und sei durch die Pumpspeicherwerke eine "grüne Batterie".

Van der Hoeven hob auch die in Österreich gelungene Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch hervor: "Die Wirtschaft ist weniger energieintensiv und CO2-ärmer geworden." Darin würden sich die Anstrengungen im Rahmen der Umsetzung der heimischen Energiestrategie widerspiegeln, sagte Mitterlehner dazu und kündigte an, das 2013 am Widerstand der Grünen gescheiterte Bundes-Energieeffizienzgesetz noch im 1. Halbjahr im Parlament beschlossen werden soll. Derzeit befinde sich das Gesetz in Vorbegutachtung, nach Ostern solle es allen Energiesprechern vorgestellt werden, jenem der SPÖ sei es schon bekannt. Danach solle es in Begutachtung gehen.

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch sei bereits auf über 32 Prozent gestiegen, womit Österreich im EU-Vergleich laut Eurostat den vierten Platz belege, sagte der Minister. Daher sei man optimistisch, das an die EU gemeldete 2020-Ziel von 34 Prozent übertreffen zu können, der EU-Schnitt liegt bei 20 Prozent. "Österreich hat enorme Anstrengungen unternommen, um die 2020-Ziele zu erreichen", bescheinigte van der Hoeven. Mit dem Erneuerbaren-Anteil von einem Drittel liege Österreich über dem Vierfachen des IEA-Durchschnitts. (APA, 9.4.2014)

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