Glucosamin als Jungbrunnen

9. April 2014, 18:56
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Nahrungsergänzungsmittel erhöht Lebenserwartung von alternden Mäusen - Aminozucker simuliert Low-Carb-Diät und könnte auch beim Menschen lebensverlängernd wirken

Zürich - In Österreich ist es unter anderem unter den Namen Flexove, Progona oder Voltaflex als frei verkäufliches Nahrungsergänzungsmittel erhältlich: Glucosamin verbessert die Gelenkfunktion und hilft bei der Knorpel-Regeneration. In den 1960er-Jahren entdeckten Forscher, dass der Aminozucker den Abbau von Zucker in Körperzellen verlangsamt. Untersuchungen wiesen zudem darauf hin, dass Glucosamin das Wachstums von Krebszellen beeinträchtigt.

Ein deutsch-schweizer Forscherteam unter der Leitung von Michael Ristow von der ETH Zürich konnte nun erstmals bei Säugetieren einen Effekt nachweisen, der bereits von früheren Versuchen mit Fadenwürmern bekannt war: Bei 100 Wochen alten Mäusen (das entspricht etwa 65 Jahre alten Menschen), die regelmäßig mit Glucosamin gefüttert wurden, stieg die Lebenserwartung im Durchschnitt um knapp zehn Prozent. Das würde einer Steigerung der menschlichen Lebenserwartung von etwa acht Jahren entsprechen. Zudem wiesen die Mäuse einen verbesserten Blutzucker-Stoffwechsel auf.

In detaillierten Untersuchungen, die im Fachmagazin "Nature Communications" erschien, konnten die Forscher darüber hinaus zeigen, dass die mit Glucosamin gefütterten Mäuse den verminderten Zuckerabbau kompensieren, indem sie vermehrt Aminosäuren, die Bausteine aus denen Proteine bestehen, zur Energiegewinnung verwenden. Ristow interpretiert dies als "eine Simulierung der Low-Carb-Ernährung, die als gesundheitsfördernd gilt".

"Wahrscheinlichkeit hoch", dass Glucosamin auch bei Menschen wirkt

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Glucosamin auch beim Menschen einen Stoffwechselzustand wie bei einer kohlenhydratreduzierten Diät herbeiführen könnte, ohne dass das eigene Essverhalten geändert werden müsste, so Ristow.

Zu dem weisen zwei jüngere Studien mit über 77.000 Teilnehmern auf einen Zusammenhang zwischen Glucosamin-Einnahme und verminderter Sterblichkeit auch beim Menschen hin. "Anders als bei unseren Mäusen ist dies zwar kein Beweis dafür, dass Glucosamin im Menschen lebensverlängernd wirkt", sagt Ristow, "aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch." (tasch, DER STANDARD, 10.04.2014)

  • Mäuse im höheren Alter von rund 100 Wochen lebten dank Glucosamin durchschnittlich um zehn Prozent länger als jene Artgenossen, die sich Glucosamin-frei ernährten.
    foto: apa/ epa/iemm muenster

    Mäuse im höheren Alter von rund 100 Wochen lebten dank Glucosamin durchschnittlich um zehn Prozent länger als jene Artgenossen, die sich Glucosamin-frei ernährten.

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