Globales Problem: Medikamente belasten Umwelt

9. April 2014, 14:34
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Forscher berichten, dass Hunderte Wirkstoffe und Abbauprodukte von Arzneimitteln die Gewässer und Böden nahezu weltweit belasten

Dessau - Rückstände von Arzneimitteln belasten weltweit Gewässer, Böden und Lebewesen. In weiten Teilen der Erde lassen sich Spuren von mehr als 630 verschiedenen Wirkstoffen und Abbauprodukten nachweisen, teilte das deutsche Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau am Mittwoch zu den Ergebnissen einer Studie mit. Betroffen seien nicht nur Industriestaaten, sondern auch Entwicklungs- und Schwellenländer. 17 Wirkstoffe kamen in allen Regionen der Welt vor.

Die meisten Daten liegen bisher zum Schmerzmittel und Entzündungshemmer Diclofenac vor, das in Gewässern von 50 verschiedenen Ländern nachgewiesen werden konnte. In 35 Ländern hätten die Messwerte eine Dimension erreicht (etwa 0,1 Mikrogramm pro Liter), der nahe der im Laborversuch ermittelten Konzentration liegt, bei der erste Schädigungen an Fischen beobachtet wurden.

Wenig Informationen über langfristige Auswirkungen

Neben Diclofenac zählen zu den weltweit am meisten verbreiteten Wirkstoffen auch das Antiepileptikum Carbamazepin, das Schmerzmittel Ibuprofen, das Pillen-Hormon Ethinylestradiol sowie das Antibiotikum Sulfamethoxazol.

Arzneimittel gelangen vor allem über das Abwasser in die Umwelt. Sie werden im menschlichen Körper meist nicht vollständig abgebaut und wieder ausgeschieden. Kläranlagen können nicht alle Rückstände zurückhalten.

Über die langfristigen Auswirkungen auf Ökosysteme gibt es laut UBA bisher nur wenige Informationen. Experimente und Versuche deuten darauf hin, dass Arzneimittel oder deren Abbauprodukte bei Lebewesen etwa das Wachstum verringern oder die Fortpflanzung beeinträchtigen. (APA/dpa/red, derStandard.at, 9.4.2014)

  • Spuren von mehr als 630 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen sowie deren Abbauprodukte lassen sich laut Studie in Gewässern, Böden, Klärschlamm und Lebewesen nachweisen.
    foto: apa/dpa/federico gambarini

    Spuren von mehr als 630 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen sowie deren Abbauprodukte lassen sich laut Studie in Gewässern, Böden, Klärschlamm und Lebewesen nachweisen.

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