Schuss ins Männerknie

Kommentar9. April 2014, 14:04
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Ulrike Haider-Quercias Rückzug ist in erster Linie ein Problem für die "Buberlpartie" beim BZÖ

Den Briten, die bekanntlich wenig erschüttern kann, wird das Sprichwort zugeordnet: "If you can't stand the heat, get out of the kitchen." Das kann man grundsätzlich auch für Politiker und Politikerinnen so stehen lassen. Wer den rauen Wind politischer Auseinandersetzungen nicht gut verträgt, sollte sich diesem auch nicht aussetzen. Dass BZÖ-Chef Gerald Grosz freilich nichts Besseres zu tun hat, als Ulrike Haider-Quercia nachzurufen, sie habe "den Druck einer EU-Spitzenkandidatur falsch eingeschätzt", lässt auch tief blicken – nicht nur in die Gemütslage der Ex-Kandidatin.

Ein wenig Ironie der Geschichte begleitet diesen Rücktritt vor dem Antritt. Haider-Quercia ist nicht die erste Frau, die sich am speziell-saloppen Umgangston von Jörg Haiders nicht sehr erwachsen gewordener "Buberlpartie" die Zähne ausbeißt – so schnell hat freilich noch keine resigniert. Dass just die Tochter, die sich auf die Fahnen geheftet hatte, den geliebten Vater zu rehabilitieren, nun so schnell an dessen politischem Fanclub scheitert und das auch als Rücktrittsgrund nennt, ist freilich nicht nur ihr persönliches Problem.

Für das BZÖ sind die Chancen bei der EU-Wahl nun auf ein Minimum geschrumpft. Zumindest in Kärnten wäre der Name Haider auf positiven Widerhall gestoßen. Zwar wirkten ihre bisherigen medialen Auftritte, vor allem jener in der "ZiB 2", unsicher und alles andere als souverän. Aber die Doppeldoktorin ist beileibe nicht so unbedarft, wie sie nun – auch medial – dargestellt wird: Ihre proeuropäische Linie, ihre Sympathie für einen Nato-Beitritt Österreichs – all das sind Themen, über die man im BZÖ ernsthaft diskutieren hätte sollen, statt sie gleich zurückzupfeifen. So war Haider-Quercias Kurzauftritt für die orange Männertruppe nur ein Schuss ins eigene Knie. (Petra Stuiber, derStandard.at, 9.4.2014)

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