Wiener VP will "Wiener Mittelschule" bundesweit

9. April 2014, 13:14
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Kritik von FPÖ und Grünen - Bundespartei von Vorstoß nicht begeistert

Wien - Die Wiener ÖVP will die "Wiener Mittelschule", eine Sonderform der Neuen Mittelschule (NMS), bundesweit einführen. Dieses Modell soll die NMS künftig ersetzen, sagte der Wiener VP-Chef Manfred Juraczka im Ö1-"Morgenjournal" am Mittwoch. Das sei richtungsweisend, "weil man da nicht mit Teamteaching einen Einheitsbrei unterstützt, sondern mit Kurssystemen Leistungsanreize setzt".

Die Wiener Mittelschule wurde 2009 nach einem Kompromiss zwischen SPÖ und ÖVP als spezielle Variante der NMS eingeführt. Wichtigste Unterschiede zu den NMS in anderen Bundesländern: In der Wiener Form wird in einem Kurssystem unterrichtet, an den anderen Standorten soll die Leistungsdifferenzierung durch zwei Lehrer in der Klasse (Teamteaching) funktionieren. Außerdem sind in der Bundeshauptstadt nicht nur ehemalige Hauptschul-Standorte, sondern auch einige AHS bei dem Modell dabei.

Zweidrittelmehrheit an Schulen notwendig

Die Wiener SPÖ sieht in den Aussagen Juraczkas nur einen "halben ersten Schritt": Um mehr Wiener Mittelschulen zu führen, müssten auch mehr AHS-Standorte mitmachen können, erklärten Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch und Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl in einer Aussendung. Deswegen wäre es nötig, die dort für eine Umstellung gesetzlich erforderliche Zweidrittelmehrheit der Schulgemeinschaft abzuschaffen. Juraczka solle sich daher auf Bundesebene für deren Ende einsetzen.

Kritik setzte es von FPÖ und Grünen: Der Wiener FPÖ-Bildungssprecher Dominik Nepp vermutete in einer Aussendung, dass sich "die Stadtschwarzen für die SPÖ aufmascherln" und nach dem Motto "Mache alles, öffne nackt" nach "der sicherlich urwichtigen Homo-Ehe nun auch den Rest des Wiener SPÖ-Parteiprogramms ungefiltert übernehmen". Der grüne Bildungssprecher Harald Walser ortete "bildungspolitische Chaostage in der ÖVP" - Juraczka habe immer noch nicht verstanden, dass das Problem nicht in der Ausgestaltung der NMS liege, sondern in der grundsätzlichen Trennung der Kinder mit zehn Jahren.

Kritik aus eigener Partei

ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank will zunächst die Evaluierung von NMS und WMS abwarten, sagte sie im Ö1-"Mittagsjournal".

Positiv hat hingegen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf den Vorschlag des Wiener VP-Chefs Manfred Juraczka reagiert. Sie lobte die WMS für deren echte Vielfalt unter den Schülern, da in dieser Schulform ehemalige Hauptschulen verpflichtend mit Gymnasien zusammenarbeiten. Eine bundesweite Umsetzung sei allerdings ohnehin schon jetzt möglich, sie werde nur von den Gymnasien wenig genutzt. Das von Juraczka gelobte Kurssystem mit Leistungs- und Förderkursen könne ebenfalls schon jetzt an den NMS umgesetzt werden.

In einer Aussendung hat der Wiener VP-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch noch eine weitere Forderung seiner Partei ins Spiel gebracht: Er plädiert für mehr Wettbewerb der Schulstandorte, indem die Ergebnisse der einzelnen Schulstandorte bei den Bildungsstandard- und PISA-Testungen veröffentlicht werden. Voraussetzung sei jedoch mehr Autonomie für die Schuldirektoren, um wettbewerbsfähiger werden zu können. (APA, 9.4.2014)

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