Beschlagnahmung der Gurlitt-Sammlung aufgehoben

9. April 2014, 12:21
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Das Ermittlungsverfahren selbst ist noch nicht beendet

Augsburg/München - Nach mehr als zwei Jahren erhält der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt seine Bilder zurück. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hob die Beschlagnahme am Mittwoch auf und gab die Werke frei. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens hätten sich neue Erkenntnisse ergeben, teilte die Behörde mit. Die rechtliche Situation sei neu bewertet worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte am 28. Februar 2012 insgesamt 1.280 Bilder aus der Münchner Wohnung des heute 81-Jährigen wegen des Verdachts auf ein Steuer- und Vermögensdelikt beschlagnahmt und seither unter Verschluss gehalten. Rund 500 Werke stehen nach Auffassung der Taskforce "Schwabinger Kunstfund" im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Cornelius Gurlitt ist der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt.

"Zum Zeitpunkt der Beschlagnahme der gesamten Sammlung war die Staatsanwaltschaft Augsburg uneingeschränkt von der Rechtmäßigkeit der Maßnahme überzeugt", erklärte die Behörde am Mittwoch. Das Ermittlungsverfahren sei damit auch noch nicht abgeschlossen.

Gurlitt bereit, Werke gegebenenfalls zurückzugeben

Anfang der Woche hatten Gurlitt und seine Anwälte einen Vertrag mit der deutschen Regierung und dem Freistaat Bayern unterschrieben. Gurlitt erklärte sich darin bereit, seine Sammlung auch nach dem Ende der Beschlagnahme von Experten untersuchen zu lassen und unter Raubkunstverdacht stehende Werke gegebenenfalls zurückzugeben.

Gurlitts Strafverteidiger Tido Park erklärte: "Das ist ein guter Tag für Cornelius Gurlitt." Die Anwälte hatten im Februar beim Amtsgericht Augsburg Beschwerde gegen die Beschlagnahme eingelegt. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Beschwerdegericht die Beschlagnahmeanordnung angesichts der gravierenden Mängel und unserer ausführlich begründeten Beschwerde aufgehoben hätte", sagte Park. "Dennoch begrüße ich natürlich die freiwillige Aufhebung der Beschlagnahme durch die Augsburger Staatsanwaltschaft. Es geht allein um das Interesse des Mandanten. Seine Rehabilitierung wird durch die Entscheidung des heutigen Tages weiter gestärkt."

Untersuchung der Salzburger Bilder unklar

Laut einem Sprecher des bayerischen Justizministeriums könnte Gurlitt auch die in Salzburg gefundenen Kunstwerke von der deutschen Taskforce, der auch die österreichische Provenienzforscherin Sophie Lillie angehört, untersuchen lassen, wie er zum "Kurier" sagte. Schließlich tragen der deutsche Bund und Bayern "die Kosten für die Herkunftsforschung, auch für den Fall, dass weitere, bisher nicht beschlagnahmte Kunstwerke eingebracht werden sollten", wie es Anfang der Woche hieß.

Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger sagte jedoch, dass man eher daran denke, parallel zur Taskforce "eine eigene Lösung" mit renommierten Forschern zu schaffen und deren Ergebnisse transparent zu machen. Allerdings seien dazu noch keine Schritte unternommen worden. Auch habe ein österreichisches Museum bereits "eine Anfrage platziert"; um welches Haus es sich handelt, wollte er jedoch nicht sagen. Das Salzburger Museum der Moderne hat laut dem Bericht jegliches Interesse dementiert. (APA, 9.4.2014)

  • Ob auch die in Salzburg aufbewahrten Meisterwerke der Sammlung Gurlitt von der deutschen Taskforce untersucht werden, ist noch unklar.
    foto: apa/orf (screenshot)

    Ob auch die in Salzburg aufbewahrten Meisterwerke der Sammlung Gurlitt von der deutschen Taskforce untersucht werden, ist noch unklar.

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