Argentinien verhagelt Casinos Austria die Bilanz

9. April 2014, 10:36
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Der Konzern schreibt 2013 einen Verlust von 16 Millionen Euro, der Umsatz stieg auf ein Rekordhoch - vor allem wegen der Lotterien

Wien - Der Lizenzentzug in Argentinien hat dem Casinos-Austria-Konzern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt die Auslandstochter wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen, musste Casinos-General Karl Stoss über 40 Mio. in die CAI einschießen, was letztendlich 2013 den gesamten Konzern ins Minus drückte. 16,3 Mio. Euro betrug der Verlust, nach einem Gewinn von 42,5 Mio. Der Umsatz legte indes zu.

3,52 Milliarden Euro setzte die gesamte Gruppe im Vorjahr um, 2,5 Prozent mehr als im Rekordjahr 2012. Zu verdanken war dies erneut den Lotterien, die erlösmäßig erstmals die Drei-Milliarden-Marke knackten. Wobei Treiber hier schon lange nicht mehr die klassischen Lottoscheine sind, sondern das Online-Zocken und zunehmend auch die Automaten in den Winwin-Salons. Die zu den Lotterien gehörende Internet-Tochter win2day wuchs um fünf Prozent auf 1,2 Mrd. Euro, die Automatenhallen um ein Fünftel auf 551,2 Mio. Euro. Mit dem "normalen" Lotto dagegen erlöste der Konzern im Vorjahr nur mehr 572,9 Mio. Euro, 2012 waren es noch 609,6 Mio. Euro gewesen. Insgesamt verdienten die Lotterien weniger: Der Jahresüberschuss schrumpfte von 48,9 Mio. auf 39 Mio. Euro.

Beliebter war im "Glücksjahr" 2013 der Gang ins Casino, so wurde ein Gästeplus von 1,7 Prozent auf 2,36 Millionen Menschen verzeichnet. Allerdings hatte das Unternehmen davon wenig: Die Besucher knauserten bei den Einsätzen, und sie haben auch mehr gewonnen. Allein der mindestens mit einer Million dotierte "Mega Million Jackpot" wurde fünfmal geknackt.

Weniger Umsatz bei Spielbanken

Die Umsätze der 12 Spielbanken in Österreich gingen von 264,8 Mio. auf 253,9 Mio. Euro zurück. Das Betriebsergebnis sackte von 16,1 Mio. auf 4,6 Mio. Euro ab und das EGT rutschte mit -54,6 Mio. Euro tief in die Verlustzone (2012: +65,1 Mio.). Der Jahresfehlbetrag belief sich auf -53,7 Mio., nach einem Überschuss von 67 Mio. im Jahr davor. Grund für das Minus war die Geldspritze für die Auslandstochter Casinos Austria International (CAI).

Die Schließungen der Betriebe in Argentinien zogen einen Wertberichtigungsbedarf von 45 Mio. Euro nach sich. Die österreichische Casag musste die CAI abwerten und Rückstellungen bilden. Stoss sprach am Mittwoch in einer Aussendung vom "Jahr der großen Herausforderungen mit dem ganz großen Wermutstropfen Argentinien". Die lokale Tochtergesellschaft Enjasa war in dem Land mit Geldwäschevorwürfen konfrontiert und musste zusperren. Die Casinos haben gegen den Lizenzentzug Berufung eingelegt, der Rechtsstreit dauert an.

Schrumpfkur im Ausland

Ansonsten ist der Glücksspielkonzern im Ausland auf Schrumpfkur, so zog sich die CAI aus Großbritannien, Rumänien und zuletzt Australien - der Verkauf in Down Under spülte rund 70 Mio. Euro in die Kasse - zurück. In Kanada, Dänemark, Ungarn sowie Deutschland meldete der Konzern Zuwächse. In Sopron profitiert die CAI vom ungarischen Automatenverbot außerhalb von Spielbanken. Die einstigen Sorgenkinder Hannover und Brüssel sind dem Vernehmen nach auf gutem Weg zurück in die schwarzen Zahlen. Die Tochter in Niedersachsen, die insgesamt 10 Spielstätten betreibt, hat es 2013 knapp ins Plus geschafft, Brüssel noch nicht ganz.

2014 wird für die Casinos Austria noch einmal ein spannendes Jahr, rittern sie doch um die drei zusätzlichen Casino-Lizenzen für Wien und Niederösterreich. Ihre 12 Spielbanken im Inland dürfen sie bis 2027 bzw. 2030 betreiben, sowohl für das sogenannte Stadt- als auch das Landpaket haben sie den Zuschlag erhalten. Das unrentable Casino in Gastein sperrt zu, dafür wird ab 2016 eines in Zell am See eröffnet. Auf der Eigentümerseite könnte sich einiges tun, so soll der Drittel-Anteil der Nationalbanktochter Münze Österreich in die ÖIAG wandern. Auch die Kirchenbank Schelhammer und Schattera will ihren zehnprozentigen Anteil an die Staatsholding abgeben, ebenso die Großaktionären Maria Theresia Bablik (17 Prozent). Im Ausland will Casinos-Boss Stoss die Wirtschaftlichkeit der Betriebe steigern und gleichzeitig, gemeinsam mit Partnern, neue Projekte vorantreiben, wie er im CAI-Finanzbericht schreibt. (APA, 9.4.2014)

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