Frauen und Waschbären

Einserkastl8. April 2014, 18:51
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Eine U-Bahn-Fahrt kann zu kulturpessimistischen Schüben führen

Auf die U-Bahn wartend aus den Augenwinkeln auf dem Infoscreen gerade noch den Beginn einer Nachricht über eine "Sensation" erhascht, für die Außenminister Sebastian Kurz bei der Besetzung von Botschafterposten gesorgt habe: "Außenminister ernennt 40 Prozent ..." Dann war's weg. Die ganze lange Fahrt ins Büro die quälende Ungewissheit: Wen, holy cow, hat der Minister denn gar zu Botschaftern gemacht? Waschbären?

Nein, Frauen. Sechs von fünfzehn. Richtige Frauen mit ... lassen wir das. Wahnsinn! Eine Frau geht auch in die Ukraine. Dort sind, wie man weiß, die Ukrainer. Sehr kühn vom jungen Minister ...

Zur Bewältigung kulturpessimistischer Schübe sei wieder einmal der Essay von Harry G. Frankfurt empfohlen: On Bullshit. Oder, wer es ausführlicher und moderner will: Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität von Markus Metz und Georg Seeßlen. Trost darf man von der Lektüre allerdings keinen erwarten.

Apropos Frauen und untröstlich. Das ist man auch angesichts einer Aussendung des Amalthea-Verlags zur Bewerbung des neuen Buchs der Journalistin Antonia Rados. "Aus aktuellem Anlass", jubelt die Pressestelle, wäre ein Interview mit Frau Rados jetzt besonders interessant! Man kann sie fragen, wie es ist, im Kugelhagel zu sterben. Der "aktuelle Anlass" ist nämlich der Tod der Kollegin Anja Niedringhaus in Kabul. Geht's noch? (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 9.4.2014)

  • Von der Infoscreen bis zur Buchwerbung
    foto: matthias cremer

    Von der Infoscreen bis zur Buchwerbung

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