Pfingstrosen: Wurzeln bis in die Sagenwelt

Kolumne17. April 2014, 10:24
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Pfingstrosen sind echt schräg: Den lateinischen Namen haben sie vom griechischen Heilgott, und manche wollen nicht aufrecht gepflanzt werden

Zu den schönsten stark nach unten, also ins Erdreich wachsenden Pflanzen gehören die steinbrechartigen Bedecktsamer namens Pfingstrosen, auch Paeonia genannt. Paeonia geht auf den Namen eines Promi-Arztes zurück, der seinerzeit Gottheiten der griechischen Sagenwelt behandelt hatte. Doktor Paian heilte mit dieser Pflanze unter anderen Pluton, den Herakles im Krieg um Pylos verletzt hatte.

Pfingstrosen kommen dort vor, wo das Klima gemäßigt ist oder einen subtropischen Touch mitbringt. Was sie immer brauchen, ist eine kalte Ruhezeit, ohne die sie keine Blütenknospen ausbilden. In Mitteleuropa findet man meist die Gemeine Pfingstrose Paeonia officinalis in den Bauerngärten. Ab Mai sollte sie in voller Pracht stehen und so den Bauern stolz machen.

In den Parks und Gärten der Städte hingegen gibt es mittlerweile mehr als 3000 verschiedene, von der Milchweißen Pfingstrose Paeonia lactiflora stammende Zierpfingstrosen. In China gedeiht die Strauch- oder Baumpfingstrose Paeonia suffruticosa. Diese wirft zwar im Herbst ihr Laub ab, lässt aber den verholzten Stamm stehen. So kann sie gut und gerne eineinhalb Meter hoch wachsen, auch fünf Meter seien schon gemessen worden. Dazu müssen sie natürlich alt werden, und das tun sie auch. Baumpfingstrosen können mehr als sechzig Jahre alt werden, brauchen nie umgesetzt zu werden und danken mit zunehmender Blütenpracht. Geblüht wird von April bis Juni, je nach Sorte.

Die Päonie mag's schräg

Päonien bevorzugen Lehmboden und viel Sonne. Auf Humus sollte verzichtet werden, das würde Pilzkrankheiten einen Weg bahnen. Am besten arbeitet man Sand in den Boden ein, das macht ihn wasserdurchlässiger. Junge Staudenpäonien sollte man flach liegend, also anständig schräg, einpflanzen. Der Stamm muss ein ganzes Stück unter der Erde liegen, damit er eigene Wurzeln austreibt.

Zwar hat die Staudenpäonie ab Hof Wurzeln dran, das sind jedoch Ammenwurzeln. Eine Zeitlang nähren die "fremden" Wurzeln die Baumpäonie, aber um das Ausbilden eigener kommt sie nicht herum. Und genau dazu muss ein Teil des Stamms unterirdisch liegen. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 11.4.2014)

Tipp für Pfingstrosen:
Fragen Sie in der Gärtnerei unbedingt, um welche Päonienart es sich in den Töpfen handelt. Baumpäonien darben und kümmern, wenn sie durch falsches Einsetzen keine eigenen Wurzeln entwickeln können.

  • In den Parks und Gärten der Städte gibt es mittlerweile mehr als 3000 verschiedene Zierpfingstrosenarten.

    In den Parks und Gärten der Städte gibt es mittlerweile mehr als 3000 verschiedene Zierpfingstrosenarten.

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