Astronomen beobachten mysteriöses Objekt in Saturn-Ring

8. April 2014, 15:22
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Rund einen Kilometer große bisher unbekannte Struktur entdeckt - Mögliche Erklärung: Die "Cassini"-Bilder zeigen die Geburt eines neuen Mondes

62 bekannte Monde besitzt der Gasriese Saturn und allesamt entstanden sie in der Anfangszeit des Sonnensystems. Nun aber haben Wissenschafter ein mysteriöses Objekt am Rande eines der Saturnringe ausgemacht, das die Theorien von der Bildung der Planetenmonde in Frage stellt. Das Objekt tauchte erstmals auf einer Aufnahme der NASA-Sonde "Cassini" vom April 2013 als heller Fleck auf und konnte bisher keinem der bekannten Saturntrabanten zugeordnet werden.

Entdeckt hat den verheißungsvollen Fleck der britische Astronom Carl Murray von der Queen Mary University of London. Die Struktur, vorerst informell "Peggy" getauft, stellte sich zunächst als eckige Aussparung am äußeren Rand des A-Rings dar. Die Analyse weiterer "Cassini"-Bilder machte schnell klar: Das Objekt war schon zuvor von der Sonde festgehalten, aber bisher nicht entdeckt worden. Auf insgesamt über hundert Aufnahmen, die zwischen Mai 2012 und November 2013 geschossen wurden, taucht es auf.

Worum es sich bei der etwa einen Kilometer großen Struktur handelt, darüber herrscht Uneinigkeit. Wegen seiner geringen Größe lässt sich das Objekt auch nicht direkt ablichten, dafür reicht das Auflösungsvermögen der "Cassinis"-Kameras nicht aus. Indirekt macht sich der Brocken allerdings sehr wohl bemerkbar: sein Einfluss führt dazu, dass das Ringmaterial in seiner Umgebung um rund 20 Prozent heller strahlt.

Nahrung für neue These zur Mondbildung

Einige Astronomen halten es für möglich, dass die merkwürdigen Bilder den Nucleus eines künftigen Saturnmondes zeigen, der gerade dabei ist, sich zu bilden. Als Grundlage für diese Annahme dient eine These, die Forscher rund um Sebastien Charnoz von der Université de Paris-Diderot bereits 2010 im Fachjournal "Nature" vorgestellt haben. Computer-Simulationen haben demnach ergeben, dass Monde auch aus dem Material von Ringen gebildet werden können - aus diesem also gleichsam heran wachsen und dabei allmählich nach außen wandern.

Ein Beweis für diese Theorie ist die Entdeckung des neuen Ring-Objektes allerdings nicht, dafür bedarf es weiterer Beobachtungen. Fest steht dagegen, dass die Struktur am Rande des A-Rings vor Mai 2012 offenbar noch nicht da war, sich also in jüngerer Zeit gebildet haben muss. (red, derStandard.at, 08.04.2014)

  • Das von Carl Murray entdeckte Objekt "Peggy" kreist etwa zehn Kilometer entfernt von der äußeren Kante des A-Ringes. Worum es sich dabei handelt, ist vorerst unklar.
    foto: nasa/ jpl

    Das von Carl Murray entdeckte Objekt "Peggy" kreist etwa zehn Kilometer entfernt von der äußeren Kante des A-Ringes. Worum es sich dabei handelt, ist vorerst unklar.

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