Wien: Verfolgungsjagd nach Entführung der Verlobten

8. April 2014, 13:45
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Ein betrunkener 32-Jähriger misshandelte und entführte seine Entlobte - nach deren Flucht baute er einen schweren Autounfall und fuhr der Polizei davon

Wien - Mit einem völlig demolierten Auto lieferte sich in der Nacht von Montag auf Dienstag ein Wiener eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, nachdem er zuvor seine Verlobte entführt und schwer misshandelt hatte.

Begonnen hatte die Angelegenheit bereits Montagmittag: Das Paar hatte eine Hochzeit in Wien-Floridsdorf besucht, Ümit C. begann, sich zu betrinken. Es kam zu Streitereien, C. wurde handgreiflich, schildert Thomas Keiblinger, Pressesprecher der Wiener Polizei. Als sich die Frau an das Steuer des Autos setzte, prügelte der 31-Jährige von der Beifahrerseite aus weiter auf sie ein, ehe das Opfer am Verteilerkreis Favoriten zu einer Tankstelle fuhr.

Opfer versuchte zu besänftigen

Ihre Hoffnung, dort Hilfe zu finden, erfülte sich nicht - der Mann schlug sie weiter, rang sie zu Boden und brachte sie zurück ins Auto. Dort rastete er völlig aus: Immer wieder schlug er ihren Kopf gegen das Armaturenbrett, die Polizei fand dort später Blut und Haare. "Sie wollte ihn dann besänftigen und hat ihm erklärt, dass alles ihre Schuld sei", sagt Keiblinger. "Er ist dann aber nicht wie versprochen zu ihr gefahren, sondern über die Triesterstraße nach Süden. Dabei sei sie immer wieder ohnmächtig geworden."

Im Industriegebiet Wiener Neustadt wollte der Mann sie zwingen, mit ihm in ein Lokal zu gehen. Als sich die Frau weigerte, ging C. zunächst alleine davon. Das Opfer nutzte die Chance, nahm sich ihr Handy, lief barfuß davon und versteckte sich zwischen parkenden Autos. Die Polizei rief sie aber nicht, stattdessen kontaktierte sie eine Freundin, die sie abholte.

Der mutmaßliche Gewalttäter beschloss gegen Mitternacht, zurück nach Wien zu rasen, auf der A 23 donnerte er mit Wucht gegen einen Fahrbahnteiler aus Beton. Die Folge: Beide Achsen wurden gebrochen, das linke Vorderrad abgerissen, das Fahrzeuggehäuse völlig verzogen. Stoppen ließ sich C. dadurch nicht - er fuhr mit seinem BMW X6 weiter.

Pannenfahrer verfolgte ihn

Beobachtet wurde er von einem zufällig vorbeikommenden Pannenfahrer. Der ÖAMTC-Mann folgte dem in Schlangenlinien fahrenden Unfalllenker bis zu einer Ausfahrt in Wien-Simmering. Wo die Polizei gerade ein Planquadrat durchführte. Auch das hielt C. nicht auf, er stieg aufs Gaspedal, zwei Beamte mussten sich mit einem Sprung zur Seite retten.

Was folgte, war eine Verfolgungsjagd zwischen 0.20 und 0.32 Uhr. Dabei ging der Verdächtige durchaus trickreich vor: Insgesamt dreimal stoppte er sein Fahrzeug, sobald die Verfolger ihre Autotüren öffneten, gab er wieder Gas. Auf der Flucht beschädigte er noch einen parkenden Wagen und touchierte eine Baustellenabsperrung, ehe er in der Bleriotgasse endgültig aufgab.

Beruhigt hatte er sich noch nicht: Nach dem Aussteigen stürmte er auf den Fahrer des Polizeiautos zu und versuchte, mit Fäusten auf ihn einzuprügeln. Nachdem er überwältig worden war, erklärte er das Blut im Auto damit, "dass seine Freundin Nasenbluten hatte und er sie nach Hause gebracht habe", erklärt Keiblinger. Der Verdächtige wurde angezeigt. (Michael Möseneder, derStandard.at, 09.04.2014)

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