Einzigartige räumliche und zeitliche Auflösung bei Klimamessungen

8. April 2014, 12:58
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Grazer Forscher messen regionale Unterschiede im Klimawandel - Kleinräumiges Experimentierfeld findet internationale Beachtung

Graz/Feldbach - Normalerweise arbeiten Wetter- und Klimasimulationsmodelle mit einer räumlichen Auflösung von 20 bis 50 Kilometern. Anders die Stationen des WegenerNet der Uni Graz in der Südoststeiermark: Hier werden im Abstand von ein bis zwei Kilometern und im Fünfminuten-Takt Messungen vorgenommen - dies hat nun auch in den USA Beachtung gefunden.

Nirgendwo sonst in Österreich und darüber hinaus wird die regionale Klimaentwicklung so genau unter die Lupe genommen wie auf 300 Quadratkilometern (20 x 15 km) in der südoststeirischen Region Feldbach: Seit sieben Jahren messen dort 151 Klimastationen des an der Uni Graz angesiedelten Wegener Center für Klima und Globalen Wandel die Wetter- und Klimaentwicklung mit international unerreichter räumlicher und zeitlicher Dichte. Daten wie u.a. Temperatur, Niederschlag, Wind oder Bodenfeuchtigkeit werden über Mobilfunk in das Grazer Zentrum übertragen, um kleinregionale Wetter- und Klimaentwicklungen im Langzeitprojekt ganz genau unter die Lupe zu nehmen.

Kleinräumige Wetter- und Klimaerscheinungen werden von den großräumigen Mess-Anordnungen nämlich nicht ausreichend erfasst. "So konnte mittels zusätzlicher Datenerfassungen gezeigt werden, dass die Südoststeiermark in den vergangenen Jahrzehnten im Sommer einen Langfristtrend bei der Erwärmung erlebt, die mit 0,7 Grad Celsius pro Jahrzehnt etwa dreimal so hoch ist wie die durchschnittlich ermittelte globale Erwärmung", so Kirchengast. Die Daten sollen nicht zuletzt dazu dienen, großräumige Klimamodelle zu überprüfen und helfen, diese zu verbessern.

Vielseitiges Wettergeschehen

"Das Wetter in der Region am Übergang von Alpenraum und Mittelmeerraum ist sehr vielseitig und repräsentativ für viele andere Gebiete weltweit in mittleren geografischen Breiten", schilderte Kirchengast. Zusätzlich seien die jeweiligen Wetterereignisse stark ausgeprägt, wodurch Wetter- und Klimarisiken besonders gut zu analysieren seien. So gibt es beispielsweise Hinweise auf heftiger werdende Niederschläge in kürzeren Intervallen, die sich auf zunehmend kleinere Gebiete konzentrieren würden.

Das Erhebungssystem und die zentralen Ergebnisse der Messdatenerfassungen hat das Grazer Wegener Center jüngst in der US-amerikanischen Fachzeitschrift "Bulletin of the American Meteorological Society" publiziert. "Die Veröffentlichung eröffnet unserem Klimastationsnetz auch den Weg zur breiten internationalen Nutzung der Daten", so Kirchengast. (APA/red, derStandard.at, 08.04.2014)


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