Lobautunnel: Kritik an Brandschutz

8. April 2014, 12:32
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Die Gegner der geplanten Unterführung der Lobau orten weiter Probleme: Nun sollen die Vorkehrungen im Falle eines Feuers unzureichend sein. Der Autobahnbetreiber Asfinag dementiert

Wien - Wieder einmal steht der Lobautunnel in der Kritik der Autobahngegner: Die Plattform "Zukunft statt Autobahn" nahm am Dienstag den Brandschutz des Bauvorhabens unter die Lupe. Der Präsident des Brandschutzforums Austria, Otto Widetschek, bemängelte dabei nicht nur zu lange Fluchtwege, sondern forderte auch eine automatische Löschanlage. Die Asfinag wies die Vorwürfe zurück.

Derzeit seien auf dem mehr als acht Kilometer langen Tunnel alle 500 Meter Querschläge - also Verbindungen zwischen den beiden Tunnelröhren, die im Katastrophenfall als Ausgang dienen - geplant. Für Widetschek ist das zu wenig. "Um auch die Sicherheit von älteren Menschen, kleinen Kindern oder Menschen mit Gehbehinderungen zu gewährleisten, muss es mindestens alle 250 Meter eine Ausstiegsmöglichkeit geben", meinte der Brandschutzexperte. Zudem sei nur jeder zweite Querstollen auch für die Feuerwehr befahrbar, was etwa für eingeklemmte Personen deutlich längere Rettungszeiten ergäbe.

Keine automatische Löschanlage

Er kritisierte zudem, dass für den Lobautunnel derzeit keine automatische Löschanlage geplant sei. Für einen Tunnel dieser Länge sei eine Nebel- oder Schaumlöschanlage aktueller Stand der Technik, mit der etwa ein Tankwagenbrand eingedämmt werden könne, bis die Feuerwehr vor Ort ist. "Nur dann ist so ein Megaprojekt vertretbar sicher", erklärte Widetschek. Die Kosten einer solchen Anlage bezifferte der Experte grob mit etwa zehn Millionen Euro, die Kosten des Gesamtprojekts berechnete "Zukunft statt Autobahn" mit drei Milliarden Euro.

Auch die Entlüftung mit Lüftungsabschnitten von etwa drei Kilometern entspreche nicht den Brandschutzrichtlinien. "Hier hat man die eigenen Asfinag-Richtlinien nicht eingehalten", so Widetschek. Diese würden nämlich eine maximale Abschnittslänge von 2,5 Kilometern vorsehen. "Ein Gau ist mit diesem System beherrschbar, ein Super-Gau wäre es nicht", erklärte der Brandschutzfachmann. Als Super-Gau stuft er etwa einen Tankwagenbrand, einen Gefahrengutunfall oder einen Ausfall der Lüftung sein. Diese Vorfälle seien zwei selten, aber möglich. "Verdrängtes Risiko", so Widetschek, der generell die Wahrscheinlichkeitsberechnungen bei solchen Großberechnungen infrage stellte.

"Der Lobautunnel ist scheinbar nach dem Konzept 'Rette sich wer kann' geplant", meinte Axel Grunt, Obmann der Plattform "Zukunft statt Autobahn". Er forderte Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) erneut auf, den "sündteuren Spuk" zu beenden.

"Modernste Sicherheitsstandards"

Die Asfinag wies die Kritik in einer Aussendung zurück. Der Lobautunnel erfülle "klar das strenge österreichische Straßentunnel-Sicherheitsgesetz und sämtliche modernste internationale Sicherheitsstandards" wurde versichert. Andernfalls wäre der Tunnel gar nicht genehmigt worden. Die Länge der Fluchtwege sei anhand einer detaillierten "Worst-Case-Risikoanalyse" geplant worden, zudem sei vorgesehen, dass Gefahrengut-Transporte den Tunnel nur mit Begleitung befahren dürfen. Ein "speziell für den Tunnel entwickeltes Notfallkonzept" sorge für "maximale Sicherheit". (APA, 08.04.2014)

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