Amerlinghaus fürchtet "Zerschlagung" durch die Stadt Wien

9. April 2014, 05:30
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Der Magistrat will die Subvention von 245.000 auf vorerst 113.000 Euro kürzen. "Damit wären wir gezwungen, den Betrieb einzustellen", erklärt der Trägerverein des Kulturzentrums

Wien - Mitte der 1970er-Jahre, als sich in Wien Bürgerinitiativen gegen den Abriss historischer Bauten formierten und stattdessen offene Kulturstätten forderten, überlebten nicht nur die bekannteren Fallbeispiele Arena und WUK. Auch das Amerlinghaus im siebten Gemeindebezirk wurde nach drei Jahren "weicher" Besetzung von der Gemeinde Wien dem dafür gegründeten Verein Kulturzentrum Spittelberg überlassen.

Seit 1978 subventioniert die Magistratsabteilung für Bildung und außerschulische Jugendbetreuung (MA 13) den Verein. Zu den Auflagen gehört unter anderem die Unterbringung des Bezirksmuseums in Räumlichkeiten der ersten Etage des Amerlinghauses. Mit der anfangs 1,5 Millionen Schilling hohen Förderung (das entspricht heute rund 285.000 Euro) finanzierte der Träger die Miete, das Gehalt für neun Vollzeitangestellte, die Instandhaltung und Teile des Programms - unter anderem Lesungen, Ausstellungen, Theater, Kindergruppe, Workshops, Rechtshilfe und Fortbildungskurse, organisiert von über 50 Initiativen.

35 Jahre ohne Subventionskürzung

Bis 2012 wurde die Förderung ein knappes Jahrzehnt lang nicht inflationsangepasst und verlor zwar deshalb an Wert, der Betrag selbst wurde aber nicht gesenkt. Im Vorjahr kürzte die MA 13 erstmals die Unterstützung geringfügig von rund 250.000 Euro auf 245.000 Euro.

2014 dürften die Abschläge kräftiger ausfallen. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 29. April soll eine um mehr als die Hälfte geringere Subvention beschlossen werden. 113.000 Euro sind veranschlagt, 60.000 Euro davon sollen wiederum nicht ausbezahlt, sondern als Jahresmiete direkt an den Verwalter Gesiba und damit über ihre Holding an die Stadt Wien zurücküberwiesen werden.

Ruf finanzieller Misswirtschaft im Rathaus

Beantragt wurde der verminderte Förderungsbetrag von der MA 13. Dort wird auch mit einer Beschlussfassung in dieser Höhe im Gemeinderat gerechnet. Einen Grund für die Kürzung kann Waltraude Stattin von der MA 13 gegenüber derStandard.at nicht nennen.

Möglicherweise spielt mit, dass der Verein im Rathaus letzthin in den Ruf finanzieller Misswirtschaft geraten ist. 2011 musste die Stadt dem selbstverwalteten Kulturzentrum mit einem Sonderzuschuss in sechsstelliger Höhe unter die Arme greifen. Mietrückstände und Bankschulden erklärte der Verein mit der jahrelangen Nichtvalorisierung der Zuschüsse. Um Geld zu sparen, habe man das Personal seit den 1980er-Jahren von den neun Vollzeitstellen auf einen Vollzeit- und drei Teilzeitposten reduziert. Sogar um die Kosten für Kopierpapier habe man feilschen müssen.

Die Hälfte als ebenfalls namhafter Betrag

Mit der bevorstehenden Reduzierung fürchten die Betreiber eine vollständige "Zerschlagung" des Projekts durch die Gemeinde. "Unter diesen Bedingungen wäre das Zentrum gezwungen, seinen Betrieb einzustellen", heißt es in einem Statement des Vereins.

So drastisch sieht man die Situation in der MA 13 nicht. "Auch 113.000 Euro sind ein namhafter Betrag, der den Bestand des Hauses sichert", sagt Stattin, "und natürlich sind wir am Erhalt interessiert. Außerdem ist nicht gesagt, dass das der einzige Zuschuss in diesem Jahr bleiben wird."

Wiener FPÖ-Klubobmann erfreut

Auch in der Wiener SPÖ, die gemeinsam mit den Stimmen von ÖVP oder FPÖ die Kürzung im Gemeinderat beschließen kann, hält man die Existenzängste im Verein für überzogen. "Das Amerlinghaus leistet gute und wichtige Arbeit. Wenn wir es zerschlagen wollten, würden wir nicht zuallererst die Bezahlung der Miete als existenzsichernde Maßnahme garantieren", sagt Florian Weis, der Sprecher von SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch. Auch er will mögliche weitere Zuschüsse im heurigen Jahr nicht ausschließen.

Der Stimmen der FPÖ darf sich die SPÖ in der Frage der Zuschussreduzierung jedenfalls gewiss sein. "Es ist erfreulich, wenn die Stadt Wien nun anscheinend langsam einzusehen beginnt, dass Subventionen für sogenannte 'kulturelle Zentren' wie etwa das Amerlinghaus nichts weiter als in den Wind geschossenes Steuergeld ist", erklärt FP-Klubobmann Johann Gudenus in einer Aussendung.

"Ein Ende des Geldsegens für linksextreme Splittergruppierungen, die schlicht zu faul sind, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, und sich mit größter Genugtuung von der Stadt finanzieren lassen", fordert Gudenus, dessen von der Stadt finanziertes Klubobmanngehalt mit 160.000 Euro fast eineinhalbmal so hoch ist wie eine reduzierte Amerlinghaus-Subvention. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 8.4.2014)

  • Der Trägerverein des Kulturzentrums Amerlinghaus in Wien-Neubau befürchtet sein Aus.
    foto: robert newald

    Der Trägerverein des Kulturzentrums Amerlinghaus in Wien-Neubau befürchtet sein Aus.

  • Im Jahr 2011 sicherte die Stadt mit einem Sonderzuschuss den Fortbestand des Projekts. Nun will die Gemeinde mit Förderungen sparsamer umgehen.
    foto: robert newald

    Im Jahr 2011 sicherte die Stadt mit einem Sonderzuschuss den Fortbestand des Projekts. Nun will die Gemeinde mit Förderungen sparsamer umgehen.

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