Hypo: Zwei Jahre Haft für Tilo Berlin

8. April 2014, 23:52
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Der ehemalige Hypo-Vorstand reagierte fassungslos auf das Urteil im Vorzugsaktiendeal, das nicht rechtskräftig ist

Klagenfurt - Nächster Schuldspruch im Zusammenhang mit der Kärntner Hypo Alpe Adria: Das Landesgericht Klagenfurt hat den ehemaligen Vorstand und Investor der Bank, Tilo Berlin, am späten Dienstagabend für schuldig im Sinne der Anklage befunden. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft plus Kostenbeteiligung an Privatbeteiligte über 2,573 Millionen Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

In der Urteilsbegründung meinte Richter Christian Liebhauser-Karl, die umstrittene Sonderdividende sei ohne Gegenleistung und ohne rechtliche Grundlage ausbezahlt worden. Nicht einmal die Vorzugsaktionäre hätten davon gewusst. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Berlin, der sich dem Schöffensenat über Stunden als Finanzexperte präsentiert habe, über dieses Geschäft nichts gewusst haben soll, ebenso wie von den eigenmittelschädlichen Nebenabsprachen.

Zuletzt fragte der Richter Berlin, ob er das Urteil verstanden habe. Dieser reagierte völlig fassungslos und sagte nach mehrmaligem Nachfragen: "Nein, habe ich nicht." Berlins Anwalt meldete Nichtigkeit und Berufung an.

Stundenlanger Fragenkatalog

Um Punkt 11 Uhr vormittags hatte der letzte Zeuge im Untreueprozess gegen den Ex-Hypo-Vorstand Berlin den großen Schwurgerichtssaal verlassen. Wer dachte, dass nun bald ein Urteil im Hypo-Prozess IV über den Vorzugsaktiendeal 2006 bis 2008 gefällt würde, irrte gewaltig. Denn Berlins Anwalt Patrick Thun-Hohenstein hatte sich noch einen stundenlangen Fragenkatalog zurechtgelegt.

Zuerst befragte er den Gerichtsgutachter Karl Hengstberger penibelst über jedes noch so kleine Detail, um danach ein weiteres Mal seinem Mandanten Gelegenheit zu geben, ausführlichst seine Sicht der Dinge darzulegen. Ging es doch darum, den Schöffensenat von der Unschuld Berlins zu überzeugen. Der blieb - auch nach den teils rechtskräftigen Verurteilungen der mitangeklagten Ex-Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer, Josef Kircher und Siegfried Grigg - bei seiner Verteidigungslinie: Er habe nichts von den geheimen Nebenabsprachen mit den Vorzugsinvestoren gewusst und sei selbst darüber getäuscht worden.

Kaum Erhellung durch Entlasungszeugen

Berlins angekündigter "Entlastungszeuge", der frühere Leiter des Hypo Global Treasury, Andreas Zois, konnte allerdings nicht viel zur Erhellung beitragen. Zumeist erinnerte er sich nicht, verwies aber auch darauf, dass die Refinanzierungskosten der Bank auf dem Kapitalmarkt höher gewesen seien als mit dem Kapital, das man aus den Vorzugsaktien lukrieren konnte.

Danach war Gutachter Hengstberger dran. Berlins Anwalt versuchte dabei, die Vorzugsaktien samt ausgeschütteter Sonderdividende für die prominenten Investoren, darunter Ingrid Flick, als "gutes Geschäft" für die Hypo herauszuarbeiten. Der Gutachter blieb dabei: Der Bank sei Schaden entstanden, weil das Geld auf dem Kapitalmarkt billiger gewesen wäre. Zudem seien die geheimen Nebenabsprachen (Put-Optionen) eigenmittelschädlich gewesen, da das eingesetzte Kapital ja wieder zurückgerufen werden konnte. Josef Kircher, der wie Kulterer ein Geständnis ablegt hatte, hatte Berlin jedoch schwer belastet.

Darauf angesprochen verwies Berlin auf seine Strafanzeige gegen die ehemaligen Hypo-Manager wegen schweren Betrugs. Berlin sei schon beim Erwerb der Hypo-Anteile 2006 betrogen worden, weil man eben nicht über die Eigenmittelschädlichkeit der Nebenvereinbarungen informiert worden sei.

"Nichts gewusst"

Berlin betonte immer wieder, er habe nur Zweitunterschriften unter die Vorzugsaktienverträge geleistet. Als Bankvorstand sei das nicht sein Fachgebiet gewesen. Als Vorstandvorsitzender sei er für die Leitung und Strategieentwicklung des Unternehmens verantwortlich gewesen. Erst im Herbst 2008 seien die Nebenabsprachen auf einer Vorstandsklausur thematisiert worden.

Die Sonderdividende von 2,5 Millionen Euro für die Vorzugsaktionäre sei ein völlig normaler geschäftlicher Vorgang gewesen. Ohne sie hätten sich die Aktionäre womöglich von der Bank abgewandt, was in Zeiten der Finanzkrise eine Katastrophe für die Bank gewesen wäre. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 9.4.2014)

  • Der ehemalige Hypo-Manager Tilo Berlin.
    foto: apa/eggenberger

    Der ehemalige Hypo-Manager Tilo Berlin.

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