"Wie eine jährliche Hypo-Pleite"

7. April 2014, 19:33
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Industrie: Sieben Milliarden Mehrkosten bei Pensionen

Wien - Die Industrie fühlt sich durch eine Bertelsmann-Studie und das darin konstatierte schlechte Abschneiden Österreichs (Rang 19) in puncto Zukunftsfähigkeit bestätigt. Die Kritik, dass das Pensionssystem auf Dauer "nicht tragfähig" sei, wird mit neuen Zahlen untermauert. Demnach kann das langfristige Wegschmelzen der Beamtenpensionen die ASVG-Dynamik bei weitem nicht kompensieren, wie der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, im Gespräch mit dem Standard erklärt.

Die Bundesmittel für das gesamte Pensionssystem steigen nach den auf Prognosen der Wirtschaftsforscher von EcoAustria basierenden Zahlen bis zum Jahr 2060 von derzeit 6,4 auf 8,6 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Zum Vergleich: Ohne Beamte würde das Pensionsloch von 2,7 auf 5,6 Prozent wachsen. Die schrumpfenden Beamtenpensionen reduzieren die Zuwächse also um nicht einmal ein Drittel. Allein der Zuwachs der Budgetkosten für die Pensionen liegt somit bei 2,2 Prozent des BIPs oder sieben Mrd. Euro. "Das entspricht einer Hypo-Pleite jährlich", sagte Neumayer.

Die von der Regierung geplanten oder schon in Kraft getretenen Maßnahmen (z. B. bei Hacklerregelung und Invaliditätspension) hält er nicht für ausreichend. Vielmehr fordert die Industrie, dass alle Möglichkeiten abgeschafft werden, vor dem gesetzlichen Pensionsalter in Ruhestand zu treten. "Rein statistische Veränderungen", wie die verpflichtende Rehabilitation für erkrankte Personen, seien nicht ausreichend, befindet der Industrievertreter. Zudem bekräftigt Neumayer die Ansicht, dass das Pensionsalter von Männern und Frauen rascher angeglichen werden solle.

Was den Generalsekretär bei der Bertelsmann-Untersuchung alarmiert, ist der nach unten weisende Trend bei verschiedenen Standort-Rankings. Neben den Pensionen hänge die verschlechterte Einschätzung mit den steigenden Arbeitskosten zusammen, bei denen Österreich "die rote Linie überschritten" habe. Wie berichtet hat Eurostat erst kürzlich konstatiert, dass die Arbeitskosten hierzulande seit 2008 um 18,9 Prozent und damit im Euroraum am stärksten gestiegen sind.

Neben den Wettbewerbsproblemen in der Produktion sieht Neumayer wegen der hohen Abgabenlast zusehends Schwierigkeiten für heimische Firmen, internationale Führungskräfte nach Österreich zu bekommen. (as, DER STANDARD, 8.4.2014)

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