Kaffeepreis kocht über

7. April 2014, 18:25
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In Brasilien regnet es zu wenig, in Indien zu viel. Beides ist schlecht für die Kaffee-Ernte. Die Preise für die braunen Bohnen ziehen bereits kräftig an

Rio de Janeiro / Wien - An den Kaffeesträuchern vertrocknen die Kirschen, innen finden sich nur winzige Bohnen, manchmal sind sie ganz leer. "Noch nie in meinem Leben habe ich so eine Dürre erlebt", sagt Leandro Gomes von der brasilianischen Kaffee-Kooperative Coopamig. Auch viele andere Bauern in dem südamerikanischen Land inspizieren ihre Kaffeesträucher mit Sorge - die Ernte im Mai und Juni dürfte schlecht ausfallen.

In der brasilianischen Hauptanbauregion für Kaffee, Minas Gerais im Südosten des Landes, fielen im Jänner nur 86 Liter Regen pro Quadratmeter. Normal sind 280 bis 300. Ähnlich ging es im Februar weiter: Statt 250 Liter pro Quadratmeter regnete es nur 135.

Brasilien ist der größte Kaffeeexporteur der Welt. Entsprechend besorgt blickt die Branche auf die anhaltende Trockenheit. Insgesamt würden dem Markt in diesem Jahr zwei Millionen 60-Kilo-Säcke Kaffee fehlen, schätzte kürzlich die Internationale Kaffee-Organisation (ICO). Der brasilianische Großexporteur Terra Forte schraubte seine Planungen für 2014 bereits um 15 Prozent nach unten.

Europäische Kaffeetrinker müssen sich laut deutschem Kaffeeverband vorerst keine Sorgen machen. Angebotsschwankungen wirkten sich "nur bedingt aus", sagt Melanie Hansmeier vom Deutschen Kaffeeverband. Zum einen könnten Einkäufer auf andere Länder ausweichen, zum andere lasse sich Rohkaffee bis zu zwei Jahre lagern. So ließen sich Schwankungen abfedern, "bevor die Endkunden etwas merken". Insgesamt sei der Markt darauf eingestellt, dass es Jahre mit guten Ernten und Jahre mit weniger guten Ernten gibt, heißt es.

Im Kaffeepreis schlägt sich die Dürre bereits nieder. Arabica-Kaffee zur Lieferung im Mai verteuerte sich um bis zu fünf Prozent auf 1,9425 Dollar (1,42 Euro) je Pfund und notierte auf dem höchsten Stand seit drei Wochen. Die Analysten der Commerzbank sagen, dass zwar für April Regenfälle in Brasilien erwartet würden. "Allerdings kommen diese nun wohl zu spät, um für die diesjährige Ernte von Nutzen zu sein."

Lagerbestände sinken

Auch der Preis für Robusta-Kaffee zog um etwa zwei Prozent an. Laut Commerzbank wird Indien - Asiens drittgrößter Kaffeeproduzent - wegen saisonunüblicher Regenfälle heuer den ersten Ernterückgang seit sechs Jahren ausweisen. Die Exporte würden um zehn Prozent sinken. Zudem seien die Robusta-Lagerbestände an der Londoner Börse in den vergangenen zwei Wochen um 23 Prozent gesunken. (AFP, Reuters, bpf, DER STANDARD, 8.4.2014)

  • Ernteausfälle treiben den Preis für Kaffee an.
    foto: ap/stache

    Ernteausfälle treiben den Preis für Kaffee an.

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