Provokateur und Sprengmeister

7. April 2014, 17:26
posten

Schau "Ich bin ein Büro" von Bella Ban-Rogy in der Alpen-Adria-Galerie im Stadthaus Klagenfurt

Puristisch-minimalistisch wie Viktor Rogys (1924-2004) Kunst ist auch die Ausstellung Ich bin ein Büro. Für Bella Ban-Rogy, Künstlerin und langjährige Begleiterin, bedeutet das "nicht einfach etwas hinhängen, vielmehr komponieren." Das Ergebnis ihrer einfühlsamen und bunten Komposition ist bis 1. Juni in der Alpen-Adria-Galerie im Stadthaus Klagenfurt zu sehen. Rogy, der sich selbst als Fassadist, Stuckateur, und Steinmetz beschrieb, hatte in den letzten Jahren als "Büro" das Notwendigste in seinen Kleidertaschen bei sich, die Oberschenkel fungierten als Tisch. Motive wie Unsinn und Zufall machten einen Teil seines Kunstverständnisses aus, das Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten stilisierte.

Rogy hat Hochhäuser geistig gesprengt, er verstört und provoziert politisch. Schauplatz seines kulturpolitischen Engagements war u. a. das gemeinsam mit seiner Frau Bella geführte Cafe OM in der Klagenfurter Innenstadt. Seine zeitlose Kunst entstand aus dem Alltag, ohne alltäglich zu sein, inspiriert vom Leben. In der Alpen-Adria-Galerie findet sich "Garderobe" in Leuchtschrift neben der wirklichen Garderobe. Eine Tischskulptur wird nicht als Ausstellungsobjekt wahrgenommen und prompt zur Abstellfläche für Gläser. Rogys Schaffen bleibt nicht auf ein Medium beschränkt, ist schwer einzuordnen und wenig greifbar. Eine Fotografie, auf der er sich in bizarrer Verrenkung als McEnroes Fitnesstrainer darstellt, zeigt seinen humoristischen Kunstzugang, wobei er sich selbst das größte Kunstwerk war - bis zum Schluss. Der letzte performative Akt des Künstlers fand seinen Ausdruck im Butoh-Tanz. Nackt und gezeichnet von schwerer Krankheit brach er ein allerletztes Mal noch im Sterben alle Normen. (rieh, DER STANDARD, 8.4.2014)

Share if you care.