Südkorea, ein sicheres und freundliches Reiseland

8. April 2014, 16:18
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In Südkorea reist man sehr günstig und ganz besonders sicher. Wer sich allerdings abseits der Touristenpfade bewegt sollte Koreanisch beherrschen

Südkorea zählt in Europa nicht unbedingt zu den Top-Ten-Reisezielen die meisten Touristen, die man hier trifft, sind zumeist amerikanische, kanadische und australische Englischlehrer, die hier arbeiten. Drei Viertel aller ausländischen Gäste kommen aus Japan, China und Taiwan. Nicht zu vergessen sind auch die inländische Touristen, die südkoreanische Bevölkerung bereist ihr Land ausgesprochen gerne, besonders die ältere Generation. Die Jüngeren bevorzugen Südostasien und Europa.

Die meisten Besucher aus Europa und Asien trifft man immer an denselben Orten: Seoul, der Hauptstadt, Panmunjeom an der nordkoreanischen Grenze, in den Seorak-Bergen nordöstlich von Seoul, in Gyeongju, der alten Königshauptstadt an der Westküste und auf der vulkanischen subtropischen Insel Jeju. In die Jiri-Berge im Süden des Landes, wo sich der höchste (1.915 Meter) und beliebteste Berg auf dem südkoreanischen Festland befindet, verirrt sich kaum ein ausländischer Tourist.

Beschränkt man seinen Besuch auf die oben angeführten Touristenziele, wird man kaum auf Schwierigkeiten stoßen. Es gibt ein gut ausgebautes Verkehrsnetz in Seoul, alle U-Bahnstationen sind auf Englisch, Koreanisch, Chinesisch und teilweise auch Japanisch angeschrieben. Durch die Lautsprecheransagen wird man in vier Sprachen beschallt, jedoch nur an den U-Bahnstationen, die für Touristen als interessant angesehen werden. Das sind Sehenswürdigkeiten wie Tempel und Paläste, aber auch Krankenhäuser. In der Nähe großer Hotels und Touristenattraktionen sowie auf der Touristeneinkaufsmeile Insadong kommt man mit Englisch einigermaßen durch. Informationsschalter an touristischen Orten und Bahnhöfen stellen mehrsprachige Karten und Touristenführer zur Verfügung, im Internet kann man Restaurants in Seoul plus Empfehlungen herunterladen.

Billig und sicher reisen

Südkorea ist kein Billigreiseland, aber Einrichtungen wie die Jjimjilbang schonen das Budget. Jjimjilbang sind Badehäuser mit Sauna, Fitnesseinrichtung und Schlafmöglichkeit, die rund um die Uhr geöffnet haben. Der Preis pro Person beträgt zwischen fünf und zehn Euro, abhängig von der Größe gibt es ein Restaurant oder eine Snackbar, einen Frisör und manchmal sogar einen Fernseher in der Saunakammer hinter einer Glasscheibe. Dazu stehen erschiedene Trocken- und Nasssaunaräume, Kalt- und Warmwasserbecken, Spielplätze für Kinder und Ruheräume bereit. In den Bereichen wo man sich nackt aufhält herrscht strikte Geschlechtertrennung, überall anders trägt man kurze Hosen und ein Leibchen, das man für den Aufenthalt geliehen bekommt. Man kann also auch als Familie gemeinsam übernachten. Diese Einrichtungen findet man nicht nur in den Städten sondern auch am Land.

Minbak sind kleine private Familiengästehäuser, die manchmal nur ein oder zwei Gästezimmer in ihrem Wohnbereich anbieten. Yeogwan (Gasthöfe), Pensionen und Hotels findet man so gut wie überall in Südkorea - die billigeren Unterkünfte haben koreanische Bezeichnungen (Minbak, Yeogwan), die teureren englische (Pension, Motel, Hotel). Die billigsten Zimmer in der Stadt kosten im Durchschnitt 25, am Land je nach Saison und Lage 15 Euro. 

Campen im Dorf und im Wald

Campingplätze gibt es sehr viele, wenn man freundlich fragt kann man auch in einem Dorf sein Zelt aufstellen. Südkoreaner sind besonders westlichen Ausländern gegenüber sehr hilfsbereit. Findet man in einem Wald ein stilles Plätzchen und es ist nicht gerade ein Nationalpark, wird man wahrscheinlich auch nicht vertrieben, wenn man einige Regeln, wie z.B. nicht seinen Müll in der Landschaft verteilen und kein offenes Feuer machen, beachtet. Südkorea ist neben Japan meiner Meinung nach in Süd-, Südost- und Ostasien eines der sichersten Länder. Sollte ich einmal meine Brieftasche mit Reisepass verlieren, wird es hoffentlich hier sein.

Am Land lassen viele Leute ihre Häuser unversperrt, die Leute zählen mitten auf der Straße das Geld, das sie gerade von einem Bankomaten abgehoben haben, die meisten Südkoreaner würden ohne weiteres ihr Handy herleihen und beim Autostoppen stand ich nie länger als fünfzehn Minuten am Straßenrand. Unsere Tochter fuhr schon mit zehn Jahren mit ihren Freundinnen alleine in eine 30 Kilometer entfernte Stadt.

Unerschöpfliche Ausdauer beim Beantworten von Fragen ist typisch für die Menschen hier. Weiß der Gefragte etwas nicht, ruft er nicht selten einen Freund oder Auskunftsdienst an oder begleitet den Touristen zu einem Busfahrer oder Hotel, auf der Suche nach einem Übersetzer. Natürlich gibt es auch Südkoreaner, die Ausländer nicht mögen, doch dem Touristen, der weder die Sprache noch die Kultur besser kennt, würde das kaum auffallen. Südkoreaner sind sehr zurückhaltend, besonders wenn man das Land als Neuankömmling und Tourist bereist.

Essen um weniger als einen Euro

In einem Restaurant kostet eine billige aber gute und ausreichende Mahlzeit zwischen vier und fünf Euro. In einer Snackbar bekommt man eine Portion gebratenen Reis für drei Euro. Eine Rolle Kimbab - eine mit Seegras umwickelte Reisrolle mit Gemüse und Fleisch (in Mitteleuropa unter dem japanischen Namen Maki bekannt) - kostet zwischen 80 Cent und einem Euro. In einem Restaurant muss man kein Getränk bestellen und Trinkgelder sind absolut unüblich. Einmal lief mir ein Kellner auf die Straße nach, um mir umgerechnet etwa fünfzehn Cent Wechselgeld zu geben. In einem Minbak bekommt man für drei oder vier Euro ein ausreichendes Essen, in Pensionen (Zimmerpreis ab etwa dreißig Euro) und Hotels hat man auf dem Zimmer eine eigene Küche plus Grundausstattung wie Geschirr, Öl, Salz und manchmal auch Fleischsaucen im Kühlschrank.

Eigentlich fand ich, dass Südkorea einfach zu bereisen ist, manchmal sogar etwas zu einfach. Doch wie ist es, wenn man Koreanisch weder sprechen noch lesen kann? Wir fuhren wir mit unseren beiden Kindern nach Goheung (siehe Blog Ein Inselspaziergang auf Sorokdo und Gogeumdo), dieses Mal jedoch in den Osten der Halbinsel Goheung, eine eher untouristische Gegend. Dabei versuchte ich mich in einen Touristen hineinzuversetzen, der die Sprache nicht beherrscht und mir fiel auf, dass nur die Straßenschilder und solche die Tempel oder andere Sehenswürdigkeiten anzeigen, zweisprachig sind. Restaurants haben weder ein englischsprachiges Schild, noch eine Speisekarte. Minbak sind an Hauswänden und Mauern angeschrieben, Pensionen haben zwar Schilder, jedoch nur auf Koreanisch.

Auf einem Wanderweg in den Jiri-Bergen ist unter dem koreanischen Wort alles in lateinischen Buchstaben angegeben, ein sehr durchdachtes und überaus praktisches System. So kann man dann auf Schildern 'Daepiso' oder 'Hwachangsil' lesen und raten, was es bedeuten könnte. Ersteres heißt übrigens Schutzhütte, zweiteres Toilette. (Alexander Reisenbichler, derStandard.at, 8.4.2014)

  • In Südkorea ist man als Tourist auf jeden Fall sicher und wenn man genau wählt, kommt man auch günstig davon. Zum Wandern ist das Land geradezu ideal.
-> Hier geht's zur Ansichtssache
    foto: alexander reisenbichler

    In Südkorea ist man als Tourist auf jeden Fall sicher und wenn man genau wählt, kommt man auch günstig davon. Zum Wandern ist das Land geradezu ideal.

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