Im Tang festgebissen

7. April 2014, 17:24
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Eine wunderbare Glanzleistung des Ensembles: Henrik Ibsens "Die Wildente" an den Linzer Kammerspielen

Linz - 120 Jahre alt ist Henrik Ibsens Stück, 120 Jahre, in denen sich bestimmte Sehnsüchte nicht verändert haben. Jene danach, die bequeme Lüge der schonungslosen Wahrheit vorzuziehen etwa. Oder die Sehnsucht nach einem Flucht-ort, und sei er noch so künstlich.

Das "Revier" der Familie Ekdal ist so ein Ort. Ließ es Ibsen in einer Bodenkammer entstehen, so stellt es Hans-Ulrich Becker als Container mitten in den Bühnenraum, der wie ein Vexierbild sowohl Innen als auch Draußen ist. Aus diesem Revier tönen Tiergeräusche, der Blick hinein aber ist dem Publikum verwehrt. Der Container bleibt angedeuteter Sehnsuchtsraum inmitten einer hässlichen, kühlen Welt (Bühnenbild: Alexander Müller-Elmau). In diesem Revier jagen der "Alte Ekdal" (Stefan Matousch) und sein Sohn Hjalmar gelegentlich nach Karnickeln und pflegt Tochter und Enkelin Hedvig eine Wildente.

Diese ist - wie vieles - ein Geschenk Direktor Werles, der die Ente angeschossen hat. Sie sank in den See und "biss sich im Tang fest", bis der Jagdhund sie nach oben zog.

Im "Tang festgebissen" haben sich auch die Figuren in Ibsens Tragikkomödie, allen voran Gregers Werle (Thomas Bammer), Sohn des Grubenbesitzers Werle, der sich einer aufklärerischen Mission verschrieben hat: Aus Wut über seinen Vater will er die Vergangenheit ans Licht bringen, die die beiden Familien gleichermaßen verbindet wie trennt, will seinem Freund Hjalmar (Lutz Zeidler) klarmachen, in welcher Lebenslüge dieser dahindümpelt, will ihm zeigen, dass nichts in seinem Leben wahr oder "seins" ist, am wenigsten die Menschen in seiner Umgebung.

Becker inszeniert nicht zu sachlich, lässt auch dem komödiantischen Teil und den Schattierungen von Ibsens Figuren viel Raum. Eine wunderbar geglückte Ensembleleistung aus der dennoch eine hervorzuheben ist: Katharina Wawrik als Hedvig, die gleichzei- tig komische schlurfende Teenager-Wurstigkeit, echte Liebe zum falschen Vater und am Ende eine bedrückend nüchterne Dramatik auf die Bühne bringt. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 8.4.2014)

Vorstellungen: 9. April, 11.30, 11. April, 19.30

  • Ekdal (Stefan Matousch) legt im Beisein Hedvigs (Katharina Wawrik) an.
    foto: christian brachwitz

    Ekdal (Stefan Matousch) legt im Beisein Hedvigs (Katharina Wawrik) an.

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