Yahoo will mit Web-Serien sein Angebot stärken

7. April 2014, 18:14
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Konzern will vier Web-Serien in Auftrag geben

Die Internetfirma Yahoo will bei der Produktion von Online-Videos offenbar größer herauskommen. Zu diesem Zweck will der Konzern bald Originalprogramme erwerben, wie sie üblicherweise nur auf den besten TV-Sendern und in Streaming-Diensten wie Netflix zu sehen sind, berichten Insider.

Yahoo will demnach vier Web-Serien in Auftrag geben. Anders als in früheren Jahren visiert das Unternehmen nicht nur kurze Web-Inhalte an, sondern gleich eine Serie mit zehn Episoden von je einer halbstündigen Comedy. Die Budgets rangieren zwischen 700.000 und einigen Millionen US-Dollar.

Drehbuchschreiber und Regisseure mit viel TV-Erfahrung führen die Projekte an. "Dieses Mal wollen sie es wirklich richtig krachen lassen", sagte einer der mit den Plänen vertrauten Personen. Yahoo-Chefin Marissa Mayer will am 28. April die Inhalte präsentieren, die das Kaliber hervorragender TV-Serien haben sollen. Yahoo wollte sich zu diesen Informationen nicht äußern.

Yahoo tritt in einem kostspieligen Markt mit vielen Wettbewerbern an. Viele Kabelsender buhlen mit Spitzenshows um die Gunst der Nutzer. Auch Neueinsteiger wie Netflix, Amazon und Hulu sind mit eigenen Inhalten an Bord. Yahoo visiere die Art von Shows an, wie sie auch Netflix und Amazon im Blick hätten, sagte ein Insider.

Die US-Fernsehlandschaft ist in den vergangenen Jahren stark zersplittert. Die Verbrauchergewohnheiten haben sich geändert, und es gibt neue Distributionsmodelle. Zwar schalten noch immer viele Amerikaner gern den Fernseher ein: Rund 283 Millionen jeden Monat. Doch viele Zuschauer sitzen nicht mehr einfach nur vor ihrem Fernseher und schauen sich die Sendung an, die gerade ausgestrahlt wird. Vielmehr wollen sie selbst bestimmen, wann sie reinschalten, indem sie bei Apps und On-Demand-Diensten zugreifen.

Einige Zuschauer bestellen ihre Fernseh-Abos sogar vollständig ab und sehen nur noch Online-Inhalte. Internetunternehmen erzielen große Erfolge mit eigenen Blockbustern. Netflix brilliert mit "Orange is the New Black" und Amazon mit "Alpha House".

Yahoo will von diesem Trend profitieren. Allerdings sieht sich der Konzern mit ganz eigenen Problemen konfrontiert - nicht nur dem Überangebot hochklassiger Fernsehangebote. Die meisten Yahoo-Nutzer spielen die Videos nämlich über PCs und mobile Geräte ab. Das größte Echo dürften die neuen Serien aber auf ganz klassischen Fernseh-Apparaten finden.

Videos sind ein wichtiger Pfeiler von Marissa Mayers Turnaround-Strategie. Doch auch nach zwei Jahren mit Mayer an der Spitze sind bedeutsame Fortschritte immer noch Fehlanzeige. Den Online-Anzeigenmarkt dominieren weiterhin die Konkurrenten Google und Facebook. Im Januar musste die erfolgsverwöhnte Managerin einräumen: Das vierte Quartal lief miserabel mit einem Umsatzrückgang von 1,7 Prozent. Seit vier Quartalen in Folge wächst Yahoo nicht mehr.

Mayer will sowohl eigene Produktionen als auch alte Episoden wie beispielsweise "Saturday Night Live" laufen lassen. Das Kalkül: Die Nutzer sollen mehr Zeit auf der Homepage verbringen und sich auch Anzeigen anschauen, die Yahoo viel Geld für Werbung bringen.

Yahoo will es selbst mit Googles Youtube aufnehmen, der - mit 12,6 Milliarden Videoklicks allein im Januar - weltgrößten Videoseite. Yahoo hat mit seinen mageren 384 Millionen angeschauten Videos eine Menge aufzuholen. Eine Web-Serie mit Blockbuster-Status würde Yahoos Ansehen in der Werbewirtschaft erheblich nach vorne bringen. Zudem könnten Gelder, die ansonsten fürs Fernsehen bestimmt wären, in die Yahoo-Anzeigen fließen.

Noch hat Yahoo keine Verträge für Original-Programme besiegelt. Im Konzern wird hinter vorgehaltener Hand auch gefragt, ob sich das Projekt allein über Anzeigen rechnet. Wenn Yahoo die Rechte an den Inhalten hält, könnte auch über die Lizenzierung der Shows für internationale Märkte Geld in die Kasse kommen.

In der Vergangenheit hatte sich Yahoo bereits schon einmal in Originalinhalte vorgewagt. An einer Serie war sogar der Schauspieler Tom Hanks beteiligt. Der Vorstoß begann im Jahr 2012. Mittlerweile sind die damaligen Produktionen aber ad acta gelegt worden. (wsj.de/derstandard.at, 7.4.2014)

  • Yahoo will wie Netflix beispielsweise mit "House of Cards" eigene Webserien in Auftrag geben.
    foto: netflix

    Yahoo will wie Netflix beispielsweise mit "House of Cards" eigene Webserien in Auftrag geben.

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