Stammzellstudien-Skandal: Japanische Elite-Uni prüft Dissertationen

7. April 2014, 14:04
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Waseda-Universität unterucht alle Doktorarbeiten im Fachbereich Advanced Science and Engineering

Tokio - Nach dem Skandal um eine weltweit aufsehenerregende Studie zur Verjüngung von Zellen lässt die japanische Elite-Universität Waseda in Tokio zahlreiche Dissertationen überprüfen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montag berichtete, sind etwa 280 Arbeiten im Fachbereich Advanced Science and Engineering betroffen.

In diesem Fachbereich hatte auch die Forscherin Haruko Obokata vom renommierten Riken-Institut, die im Zentrum des Skandals steht, 2011 promoviert. Die Ergebnisse einer US-japanischen Studie, die Ende Jänner im renommierten Fachblatt "Nature" erschienen, waren eine Weltsensation: Den Wissenschaftern war es offenbar gelungen, Zellen durch ein kurzes Säurebad zu verjüngen und in Stammzellen zurückzuverwandeln. Schnell stellten sich an der Durchführung der Studie aber Zweifel ein.

Wiederholung ohne Obokata

Eine wissenschaftliche Kommission kam schließlich zum Schluss, dass in zwei von sechs untersuchten Punkten wissenschaftliches Fehlverhalten vorlag. Konkret habe die Forscherin Obokata ein Diagramm manipuliert und ein Foto missbräuchlich verwendet. Ob die Methode des Säurebads funktioniert, wurde jedoch noch nicht geklärt, die Tests sollen innerhalb eines Jahres wiederholt werden. Obokata werde daran nicht beteiligt sein, hieß es seitens des Riken-Instituts.

Das staatlich geförderte Institut hatte unter anderem festgestellt, dass Aufnahmen in der zweifelhaften Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten. Sollte ihre frühere Alma Mater bei der erneuten Überprüfung sämtlicher Doktorarbeiten in dem 2007 eingerichteten Fachbereich Fehlverhalten feststellen, werde den betroffenen Verfassern die Doktorwürde möglicherweise aberkannt. Die Dissertation von Obakata werde von einem eigens hierzu geschaffenen Untersuchungsausschuss ebenfalls einer Überprüfung unterzogen. (APA/red, derStandard.at, 7.4.2014)

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