"Straches Interesse müsste es sein, Mölzer wegzukriegen"

7. April 2014, 15:08
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Will FPÖ-Chef Strache kanzlerfähig erscheinen, müsste er Mölzers Rücktritt erwirken, analysiert Politikberater Plaikner

Andreas Mölzer, neben Harald Vilimsky Spitzenkandidat der FPÖ bei den EU-Wahlen, verliert innerhalb seiner Partei zunehmend den Rückhalt. So kritisierten etwa die FPÖ-Landeschefs aus Tirol und dem Burgenland Mölzers Aussagen. Nach seinem Sager vom "Negerkonglomerat", dem Vergleich des Europaparlaments mit dem Dritten Reich sowie der rassistischen Beschimpfung des Fußballers David Alaba in seiner Wochenzeitung "Zur Zeit" sieht sich Mölzer mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Die Frage, ob Mölzers Rücktritt aus Sicht des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache sinnvoll wäre, besprach derStandard.at mit dem Politexperten Peter Plaikner.

derStandard.at: Sollte Andreas Mölzer - aus parteitaktischen Gründen betrachtet - zurücktreten?

Plaikner: Wenn ich, sehr widerwillig, versuche, das mit einer blauen Brille zu sehen, dann würde ich an Mölzers Stelle nicht zurücktreten, denn er bedient eine bestimmte Klientel in der FPÖ. Die Frage ist allerdings, ob er am Mittwoch vom Parteigremium zurückgetreten wird. Und ob dies nicht für Strache die günstige Gelegenheit sein könnte, einen doch sehr unabhängig innerhalb der Partei agierenden Widerpol loszuwerden.

derStandard.at: Die FPÖ hat eine Doppelspitze für den EU-Wahlkampf installiert. Harald Vilimsky müsste dann aus heutiger Sicht den Wahlkampf alleine bestreiten. Ist er ein würdiger Nachfolger für Mölzer?

Plaikner: Das Wort "würdig" hätte da einen breiten Interpretationsbedarf. Er würde zumindest eine ähnlich spitze Positionierung ausfüllen und den rechten Rand bedienen. Was Vilimsky im Gegensatz zu Mölzer fehlt, ist eine Verankerung im traditionellen, intellektuellen Hintergrund des dritten Lagers.

derStandard.at: Denken Sie, dass Mölzer mit seinen Aussagen vom N-Konglomerat, dem Vergleich des Europaparlaments mit dem Dritten Reich sowie mit der Beschimpfung des Fußballers Alaba über das Ziel hinausgeschossen ist und die Wähler eher abschreckt?

Plaikner: Ich fürchte, wenn wir dem Stammtisch zuhören, dass Mölzer gerade für diese Sager die entsprechende Zustimmung bekommt und den rechten Rand sehr gut bedient.

derStandard.at: Die FPÖ hat ja bei der EU-Wahl bekanntlich ein massives Mobilisierungsproblem. Kann Mölzer mit diesen Aussagen mehr Wähler gewinnen?

Plaikner: Er ist wenigstens zum Thema geworden, und somit ist letztlich auch die EU-Wahl wieder ein bisschen zum Thema geworden. Das ist zuletzt Eugen Freund gelungen, allerdings auch durch ein Malheur.

derStandard.at: David Alaba ist ein sehr erfolgreicher Fußballspieler der österreichischen Nationalmannschaft und für viele ein Sympathieträger. Könnte es Mölzer zum Verhängnis werden, dass Alaba in Mölzers Wochenzeitung beschimpft wurde?

Plaikner: Ich würde nicht unterschätzen, wie stark der latente Rassismus in Österreich verbreitet ist. Bei einer Kernwählerschaft der FPÖ, den jungen Männern, kann es durchaus kontroversiell wirken. Wenn ich mir aber vergegenwärtige, was auf diversen Fußballplätzen gegrölt wird, bin ich mir selbst da nicht sicher.

derStandard.at: Strache hat sich immer wieder darum bemüht, staatsmännisch zu wirken, und zwar in Hinblick darauf, dass er als würdiger Kanzlerkandidat von einer breiten Bevölkerung betrachtet wird. Kann ein Bild vom Staatsmann glaubwürdig sein, wenn er einen Spitzenkandidaten wie Mölzer weiterhin zulässt?

Plaikner: Straches Kalkül muss es sein, dass er zumindest an der Oberfläche alle braunen Flecken entfernt. Mit der Strategie, kanzlerfähig zu erscheinen, kann er solche Dinge eigentlich nicht mehr erdulden. Regierungsfähigkeit könnte Strache am ehesten beweisen, wenn er Mölzers Rücktritt einfordert. Straches Interesse müsste es sein, Mölzer wegzukriegen.

derStandard.at: Die Frage ist aber, ob er das innerparteiliche Schwergewicht Mölzer so einfach entfernen kann. Bei Barbara Rosenkranz ist Strache bekanntlich gescheitert.

Plaikner: Natürlich spielt auch das innerparteiliche Kalkül eine wichtige Rolle. Da stellt sich für Strache durchaus wieder die interne Machtfrage. Es geht darum, ob Strache es überhaupt schafft, sich gegen die alten Recken durchzusetzen. (burg, derStandard.at, 7.4.2014)

PETER PLAIKNER, geboren 1960 in Innsbruck, war von 1981 bis 2005 bei der Moser Holding, unter anderem zehn Jahre als stellvertretender Chefredakteur der "Tiroler Tageszeitung". Er arbeitet heute selbstständig als Medienberater und Politikanalyst und ist Lehrgangsmanager für Politische Kommunikation an der Donau-Universität Krems.

  • Peter Plaikner: "Es geht darum, ob Strache es überhaupt schafft, sich gegen die alten Recken durchzusetzen."
    foto: apa/barbara gindl

    Peter Plaikner: "Es geht darum, ob Strache es überhaupt schafft, sich gegen die alten Recken durchzusetzen."

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