Mölzer und die "schwarze Rasse" im Fußball

7. April 2014, 09:31
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SOS Mitmensch sieht Parallelen zu Mölzers Blog-Einträgen und F. X. Seltsams Artikel in "Zur Zeit" - Kritik von FP-Landeschefs

SOS Mitmensch ortet Parallelen zwischen Andreas Mölzers Blogeinträgen und den Ausführungen von F. X. Seltsam, Kolumnist in der von Mölzer herausgegebenen Wochenzeitung "Zur Zeit". Der Spitzenkandidat der FPÖ zur EU-Wahl habe "sich in den vergangenen Jahren gleich mehrfach zur Hautfarbe von Fußballspielern geäußert. Sowohl thematisch als auch in der Wortwahl gab es dabei klare Überschneidungen mit dem rassistischen 'Zur Zeit'-Artikel über David Alaba", sagte Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch. F. X. Seltsam äußerte sich im Jahr 2012 in herablassender Weise über die Eltern von Alaba und spottet über deren Herkunft und deren Gründe für die Migration nach Österreich. Das Wort "Österreicher" wird in Zusammenhang mit Alaba in dem Beitrag nur unter Anführungszeichen geschrieben. (daStandard.at berichtete)

SOS Mitmensch vermutet hinter dem Synonym F. X. Seltsam Mölzer selbst. Andreas Mölzer bestreitet, diesen Text geschrieben zu haben, und meint, das Pseudonym werde noch von jemand anderem verwendet.

Mölzer hingegen diskutierte am 14. Juni 2010 in seinem Blog (siehe Screenshot), ob im Fußball überhaupt noch von Nationalmannschaften gesprochen werden könne, wenn "die französische Mannschaft nahezu insgesamt aus Schwarzafrikanern besteht" und "sogar die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Türken und einem Schwarzafrikaner reüssiert". Die Wortwahl in Mölzers Blog gleiche dabei auffällig jener von "F. X. Seltsam" im "Hetzartikel über Alaba", so Pollak. Beide Male sei in Bezug auf Sport abwertend von einem "Gladiatoren-Zirkus" (F. X. Seltsam in "Zur Zeit") beziehungsweise "Gladiatoren-Kämpfen" (Mölzer in seinem Blog) die Rede.

Pollak: "Überlappungen unverkennbar"

"Mölzers Blogeinträge zeigen einmal mehr, wie tief der FPÖ-Politiker im rassistischen Sumpf steckt. Schwarze Spieler in europäischen Mannschaften scheinen Mölzer generell zu irritieren. Die Überlappungen mit den rassistischen Ausfällen gegen Alaba, die unter dem Pseudonym F. X. Seltsam veröffentlicht wurden, sind unverkennbar. Als politischer Mandatar ist Mölzer längst unzumutbar", so Pollak.

SOS Mitmensch verzeichnet mittlerweile über 15.000 Unterstützungserklärungen für die Anzeige des Autors Michael Köhlmeier wegen Verhetzung gegen Mölzer. 

Mölzer bei FPÖ-Klubobleutetreffen in Vorarlberg "kein Thema" 

Die FPÖ-Klubobleute der Bundesländer und Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache stimmen sich indes am Montag und Dienstag in Schruns (Montafon) über künftige Initiativen ab. EU-Spitzenkandidat Andreas Mölzer sei dabei kein Thema, versicherte Vorarlbergs FPÖ-Chef Dieter Egger. Über Mölzer werde am Mittwoch im Parteivorstand beraten, das Klubobleutetreffen sei dafür "das falsche Gremium".

"Das ist nicht die Kompetenz der Klubobleute", betonte Egger. Mölzers Vergleich der Europäischen Union mit dem Dritten Reich hatte der Vorarlberger Landtagsklubobmann als "völlig inakzeptabel" bezeichnet, diese Haltung wollte er auch in Wien deponieren. Zu einem allfälligen Rücktritt des Parteikollegen äußerte sich der Vorarlberger FPÖ-Klubobmann am Montag weiter nicht. In der zweitägigen Sitzung in Schruns gehe es vor allem um eine inhaltliche Koordinierung der Länder, erklärte er.

Vieraugengespräch

Am Dienstag (11 Uhr) wird Egger gemeinsam mit Parteichef Heinz-Christian Strache in Schruns eine Pressekonferenz geben. Strache selbst hat für Montag ein Gespräch mit Mölzer über dessen umstrittene Aussagen angekündigt, wann genau dieses Treffen stattfinden soll, wurde seitens der FPÖ nicht bekanntgegeben; auch Mölzer selbst wollte dazu am Montag auf Nachfrage der APA nichts sagen. Auch bezüglich des Ergebnisses will man offenbar seitens der FPÖ am Montag nichts bekanntgeben.

Strache hatte sich am Samstag deutlich von Mölzers Aussagen distanziert. Neben dem "persönlichen Gespräch" mit dem EU-Parlamentarier hatte er auch angekündigt, dass sich der Parteivorstand am Mittwoch mit der Causa beschäftigen will. Mölzer erklärte am Sonntag zu den zahlreichen Rücktrittsaufforderungen, er denke nicht daran, sich zurückzuziehen.

Kritik von FP-Landeschefs

Kritik an den Aussagen von Mölzer ist am Montag von den FPÖ-Landeschefs aus Tirol und dem Burgenland gekommen. Der Tiroler FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger erklärte gegenüber der APA, er distanziere sich von den Äußerungen. "Die Aussagen Mölzers sind nicht zu goutieren aus meiner Sicht", sagte auch der burgenländische FPÖ-Obmann Johann Tschürtz.

Abwerzger meinte, die Zukunft Mölzers sei "Sache der Bundespartei". Es sei nun wichtig, die "beste Lösung für die Partei" zu finden. Wie diese "beste Lösung" seiner Meinung nach aussehen könne, wollte Abwerzger nicht sagen. Es gelte zunächst, das Gespräch von Parteichef Heinz-Christian Strache mit Mölzer am Montag abzuwarten und dies dann am Mittwoch im Parteivorstand zu bewerten.

Aussagen wie jenen EU-Vergleich Mölzers mit dem Dritten Reich brauche die FPÖ jedenfalls "wie einen Kropf", so Abwerzger. Und Tschürtz meinte auf die Frage, ob Mölzer damit der FPÖ im Wahlkampf schade: "Fördernd ist es sicher nicht." (red, APA, 7.4.2014)

 

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    screenshot: derstandard.at
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