Auf Regionalflughäfen bläst kalter Wind

6. April 2014, 17:34
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Sparprogramme der Airlines, das Verbot von Subventionen und schnellere Bahnverbindungen machen kleineren Flughäfen zu schaffen

St. Anton / Arlberg - Die Zeichen stehen auf Sturm. Flughäfen im Schatten großer Drehkreuze fällt es zunehmend schwer, Wachstum zu generieren. Das ist nicht nur in Österreich der Fall, sonder in ganz Europa. In Österreich wäre insbesondere die Tourismuswirtschaft stark betroffen, sollte der eine oder andere Bundesländerflughafen aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen.

"Gute Flugverbindungen sind das Um und Auf, um im Tourismus erfolgreich zu sein", sagte der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, Hans Schenner, bei einem Seminar in St. Anton am Arlberg. Destinationen weitab gut funktionierender Flughäfen hätten schon jetzt Probleme, internationale Gäste anzulocken.

Das werde künftig noch schwieriger, wenn man an Hoffnungsmärkte wie China oder Indien denke. "Nach einem mehrstündigen Flug wird sich kaum jemand eine lange Bus- oder Bahnfahrt antun wollen", brachte ein Touristiker das Problem auf den Punkt.

26,3 Millionen Passagiere

Im Vorjahr sind 26,3 Millionen Passagiere an einem der sechs österreichischen Flughäfen gestartet oder gelandet, ein Prozent weniger als 2012. Ein Plus schaffte nur der Flughafen Innsbruck, wo 5,4 Prozent mehr Passagiere gezählt wurden. In Linz ist das Passagieraufkommen hingegen um 11,8 Prozent eingebrochen. Ohne Wien (knapp 22 Mio. Passagiere; 0,7 Prozent weniger als 2012) waren es zuletzt 4,3 Mio. Passagiere, die sich auf die fünf österreichischen Regionalflughäfen Salzburg, Innsbruck, Graz, Linz und Klagenfurt verteilt haben.

"Auch wenn die Konjunkturdaten etwas besser werden: Die Luftfahrt steckt noch in einer enormen Krise", sagte der Geschäftsführer des Flughafens Salzburg Roland Hermann. "Die AUA ist gerade von der Intensivstation weg. Und die Lufthansa (AUA-Mutterkonzern, Anm.) hat ihre Hausaufgaben auch noch nicht erledigt." Der Trend, wohin es gehe, sei eindeutig: Konzentration auf die großen Hubs zulasten der Regionalflughäfen. Mit Beginn des Sommerflugplans sind auf der Strecke Salzburg-Wien die bisher täglich vier AUA-Verbindungen auf drei reduziert worden. Der 6-Uhr-Flug wurde ersatzlos gestrichen. Dennoch hofft Hermann, die Passagierzahlen heuer insgesamt bei 1,65 Millionen halten zu können. "Ich bin froh, wenn es stabil bleibt."

Subventionsverbot

Der Flughafen Innsbruck hat im Vorjahr 981.000 Passagiere abgefertigt nach 931.000 im Jahr davor. "Wir sehen unter der Woche noch Potenzial für zusätzliche Flüge", sagte Marco Pernetta. Der gebürtige Berliner hat Anfang April den in den Ruhestand getretenen Reinhold Falch an der Spitze des Flughafens Innsbruck abgelöst. Pernettas Wunsch: neue Flüge Richtung Ost- und Nordeuropa.

Als Damoklesschwert über vielen Regionalflughäfen hängt der Beschluss der EU-Kommission, ab dem Jahr 2024 jede Form von Subvention an Regionalflughäfen zu verbieten. In Österreich könnte es dann für den Flughafen Klagenfurt eng werden. Die Passagierzahl am Flughafen Klagenfurt ist im Vorjahr auf 258.000 hinuntergerasselt. 2011 zählte man noch 375.000 Passagiere. Für die dringend notwendige Rollbahnsanierung braucht der Flughafen etwa 15 Millionen Euro. Die müssen von außen kommen. (Günther Strobl, DER STANDARD, 7.4.2014)

  • Der Airport Salzburg ist mit jährlich 1,65 Millionen Passagieren der größte Regionalflughafen Österreichs. Die Sparpolitik der Airlines macht den Betreibern zunehmend Sorgen.
    foto: apa / barbara gindl

    Der Airport Salzburg ist mit jährlich 1,65 Millionen Passagieren der größte Regionalflughafen Österreichs. Die Sparpolitik der Airlines macht den Betreibern zunehmend Sorgen.

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