Verfolgt, ausgesiedelt, zu Tode gequält

6. April 2014, 17:27
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Buch schildert Einzelschicksale von Kärntner Slowenen unter der NS-Verfolgung

Klagenfurt- Wer war Klara? Diese Frage stellte sich die Kärntner Historikerin Brigitte Entner, als sie auf einen Artikel der Lyrikerin Milka Hartmann vom 20. 12. 1946 in der slowenischen Zeitung "Slovenski vestnik" stieß. Hartmann erinnerte darin an mutige Kärntner Sloweninnen, die im Widerstand gegen das NS-Terrorregime verfolgt und umgebracht wurden: etwa an Klara aus Südkärnten, die 1944 verhaftet, ins KZ Ravensbrück und später nach Auschwitz deportiert wurde und dort - von Peitschenhieben der KZ-Schergen zerfleischt - verblutete.

Klaras Schicksal wurde für die Historikerin Entner zum Ausgangspunkt intensiver Forschung über die brutale Verfolgung der Kärntner Slowenen durch die NS-Maschinerie. Überlebende erinnerten sich oft nur noch bruchstückhaft an die Leiden der Slowenen, viele trauten sich lange nicht, darüber zu reden: Bis heute haftet den Opfern in Kärnten das Odeur des Landesverrats an.

Hoher Blutzoll

Entner hat die Lebens- und Leidensgeschichten der verfolgten Kärntner Slowenen dokumentiert. Das Ergebnis ist in dem kürzlich im Drava-Verlag erschienenen Buch unter dem Titel "Wer war Klara aus Sentlips / Sankt Philippen?" nachzulesen. Die Recherchen zeigen, dass der Blutzoll viel höher gewesen sein muss als ursprünglich angenommen. Insgesamt kommt Entner zu einer Zahl von 564 Kärntner Slowenen, die im Widerstand gegen das NS-Regime ihr Leben lassen mussten.

Für das Buch forschte die Historikerin, die am Slowenischen wissenschaftlichen Institut und an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt unter anderem in Wiedergutmachungs- und Opferfürsorgeakten nach. Schon unmittelbar nach dem Anschluss 1938 sei die intellektuelle und kulturelle Elite der Kärntner Slowenen in KZs interniert oder in deutsche Gebiete verbracht worden, schreibt sie. Eine weitere große Festnahmewelle habe nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Jugoslawien eingesetzt. Auch Milka Hartmann sei damals in Haft gekommen.

Am Morgen des 14. April 1942 begann die von langer Hand vorbereitete zwangsweise Enteignung slowenischer Familien. Viele Slowenen desertierten, schlossen sich den politisch und militärisch organisierten Partisanen an. Dieser Widerstand der Kärntner Slowenen sollte nach der Befreiung 1945 zum wesentlichen Baustein für die Wiedererrichtung der Republik und den österreichischen Staatsvertrag werden. Gedankt wurde es den Kärntner Slowenen danach kaum. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 7.4.2014)

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