Rapid verlässt Favoriten mit einem Sieg

6. April 2014, 17:11
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Rapid hat das 309. Derby bei der Austria durch ein Tor von Marcel Sabitzer gewonnen. Nach dem skandalösen Vorfall im Vorprogramm ist die Partie vernünftig und absolut fair über die Bühne gegangen

Wien – Valentin Grubeck geht es den Umständen entsprechend gut. Der 19-jährige Amateur der Wiener Austria sah sich das Derby am Sonntag im Fernsehen an, am Tag davor war er aus dem Krankenhaus entlassen worden. Grubeck wird in zwei bis drei Wochen wieder voll trainieren können. Am Donnerstagabend hatten ihn in der Nähe der Generali Arena wahnwitzige, vermummte Rapid-Hooligans verprügelt und getreten. Er war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Grubeck hatte einen Austria-Rucksack umgeschnallt, vermutlich wurde er deshalb Opfer dieses sämtliche Grenzen überschreitenden Gewaltakts. Er erlitt Prellungen am Rücken, im Brustbereich, auch das Knie wurde verletzt. Das 309. Derby hatte somit ein schauriges Vorspiel. Rapids Präsident Michael Krammer kündigte "Null-Toleranz" an, legt darauf Wert, dass die sogenannte Rapid-Familie "Gewalt, Diskriminierung und Rassismus" verabscheue. Austrias Trainer Herbert Gager sah in dem Überfall "eine zusätzliche Motivation". Es hat schon vernünftigere Aussagen im österreichischen Fußball gegeben.

600 Sicherheitskräfte wurden fürs Hauptspiel abgestellt, um die Lage zu deeskalieren. Vorweg: Die befürchteten Ausschreitungen sind ausgeblieben. Vielleicht auch deshalb, weil Austrias Vorstand Markus Kraetschmer dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" eine klare Absage erteilt hatte, was natürlich nicht als grundsätzliche Kritik an der Bibel zu verstehen war. Gager stellte erstmals den 17-jährigen, 1,68 Meter großen Sascha Horvath in die Startformation. Er ersetzte den gesperrten James Holland. Rapids Trainer Zoran Barisic änderte praktisch nichts, es wäre auch unlogisch gewesen, sein Team hatte zuletzt viermal hintereinander gewonnen. Louis Schaub bekam  eine Chance, weil Terrence Boyd Rapids James Holland war.

Vom Regen in die Niederlage

Das angekündigte Fußballfest hat zunächst eher nicht stattgefunden, beide Teams neutralisierten sich, das zeugte von Respekt. Natürlich wurde gekämpft, das Tempo war passabel, Gehässigkeiten blieben aus. Das Match war hart, aber gerecht. Mitunter machte der Ball, was die Spieler nicht unbedingt wollten, technische Feinheiten wurden vermisst. Chancen konnten an den Fingern einer halben Hand abgezählt werden, auf Seiten von Rapid war Guido Burgstaller nicht gänzlich ungefährlich, der Austrainer Daniel Royer hat zweimal Richtung Tor geschossen. Horvath hatte ordentliche Szenen, er fiel überhaupt nicht ab, im Gegenteil.

Nach der Pause wurde der Regen heftiger, Gager löste die Fünferkette auf, brachte Stürmer Ola Kamara für Verteidiger Manuel Ortlechner (52.). Beide Mannschaften mühten sich redlich, das Niveau konnte gesteigert werden. Deni Alar löste Schaub ab (60.). Steffen Hofmann hätte Rapid nach Pass von Alar fast in Führung gebracht, aber  nur fast (65.). 66. Minute: Rapid macht tatsächlich das 1:0. Marcel Sabitzer hat bei einem Pressball Glück, es folgten ein wunderbarer, geplanter Haken und ein trockener Schuss in die kurze Ecke. Die Austria musste danach drängen, ein Treffer von Philipp Hosiner wurde von Schiedsrichter Harald Lechner wegen Handspiels nicht anerkannt (72.).

81. Minute: Konter Rapid, Alar scheitert an der Stange. Im Gegenzug vernebelt Ramsebner. 86. Minute: Gelb-rote Karte für Burgstaller. Fazit: Die Austria hat in dieser Saison kein Derby gewonnen (0:0, 0:1, 1:3, 0:1). Horvath sagte: "Es hat leider nicht gereicht." Barisic: "Ein verdienter Sieg in einer Kampfpartie." Rapid ist nun klarer Tabellenzweiter, kann für die Europa League planen. Und Valentin Grubeck kann bald wieder Fußball spielen. (Christian Hackl, DER STANDARD, 7.4.2014)

FK Austria Wien - SK Rapid Wien 0:1 (0:0). Generali Arena, 12.500 (ausverkauft), SR Lechner.

Tor: 0:1 (66.) Sabitzer

Austria: Lindner - Ramsebner (88. Jun), Rotpuller, Ortlechner (53. Kamara) - F. Koch, Gorgon, Royer (78. Salamon), Suttner - De Paula, Horvath - Hosiner

Rapid: Novota - Trimmel, Sonnleitner, Dibon, Schrammel - Petsos, Behrendt - S. Hofmann (86. Boskovic), Schaub (60. Alar), Sabitzer (79. Grozurek) - Burgstaller

Gelb-Rote Karte: Burgstaller (87., wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karten: Ortlechner, Rotpuller, Ramsebner bzw. keine

  • Erlöste die werten Fußballfans von der Langweile: Marcel Sabitzer. 
 
    foto: apa/pfarrhofer

    Erlöste die werten Fußballfans von der Langweile: Marcel Sabitzer.

     

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