Wahlen in Afghanistan: Tag der Würdigung

Kommentar6. April 2014, 17:03
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Karsai ist es vorerst nicht gelungen, eine Art Präsidialdynastie zu gründen

Selbstverständlich ist der Tag nach den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan der richtige Zeitpunkt, um zwei Fakten zu würdigen: erstens den erstmaligen historischen demokratischen Wechsel an der Staatsspitze und zweitens den Mut der Wähler und Wählerinnen, die sich nicht von den Drohungen der Taliban abhalten ließen. Mit einem riesigen Sicherheitsaufgebot wurde der Tag der Wahl zu einem der ruhigsten der letzten Zeit.

Laut Wahlkommission lag die Beteiligung höher als bei den Präsidentschaftswahlen 2009, wo der Glaube, dass ein Wechsel - die Abwahl Hamid Karsais - möglich sei, gering war. Auch das gehört zu den guten Nachrichten aus Afghanistan: Karsai ist es vorerst nicht gelungen, durch die Aufstellung eines Familienmitglieds oder einer Marionette eine Art Präsidialdynastie zu gründen. Der Sieg des ihm nahestehenden Zalmay Rassoul war, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, alles andere als ausgemacht.

Karsais Einfluss wird dennoch groß bleiben, er hatte ein gutes Jahrzehnt, um an seinen Netzwerken zu bauen. Auch sonst bleibt das meiste beim Alten, so wie die Frage, wie das Land den Abzug der US-Armee verkraften wird. Nicht geändert hat sich auch das Sicherheitsungleichgewicht: In manchen Gebieten brauchten die Menschen gar keine Drohungen, um nicht wählen zu gehen. Und beinahe ungebrochen ist auch der Makel, dass Ethnizität und nicht politisches Programm den Ausschlag gibt, wer für wen stimmt. (DER STANDARD, 7.4.2014)

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