"Polizeiruf 110" auf ARD: Brandenburg, ein Puppenhaus

Ansichtssache6. April 2014, 17:02
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Träumen wir davon nicht alle? Ganz anders leben zu können nämlich als "so, wie einem immer alle sagen."

foto: ard/rbb

Eine solche Utopie ist es, auf die der Polizeiruf 110: Käfer und Prinzessin referiert. Da findet Kommissarin Olga Lenski einen Erschlagenen in einer Jauchegrube.

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Wie sich herausstellt, dürfte es für den Ermordeten eine besondere Schmach gewesen sein, im Mist von Kühen aus nicht-ökologischer Landwirtschaft zu enden – er selbst nämlich bewirtschaftete als Teil einer Kommune einen Ökobauernhof.

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Hier nun trifft Ermittlerin Lenski auf ihre längst aus den Augen verlorene Sandkastenfreundin Ruth (Fritzi Haberlandt) mit der sie einst (Ach!) im Fasching als Käfer und Prinzessin ging. Was folgt ist ein solider Kriminalfall. Spräche man von einem Puppenhaus (und dieser Vergleich mag angesichts des Titels erlaubt sein), man würde sagen, es sei ausnehmend liebevoll eingerichtet. Die Kommunenmitglieder auf dem Ökohof tragen ranzige Klamotten, die nicht zusammenpassen und schälen am alten Holztisch ihre Äpfel.

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Der Chef der Kommune (den man natürlich nicht als Chef bezeichnen darf) duscht nach seinen Aikido-Übungen in einem improvisierten Freiluft-Nassraum. Idylle, mitten im brachliegenden Brandenburg.

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Das tut alles nicht weh, ist aber an sich kein großer Wurf. Zu dem wird es erst durch Fritzi Haberlandt. Die ist manchmal bockig ("Andere arbeiten mit ganz anderen Methoden!"), oft starrsinnig in ihrem Idealismus. Vor allem aber schafft sie es, in den starken Momenten nicht die Verletzlichkeit und in den schwachen nicht die Würde zu vergessen. Lange keine so glaubhaft widersprüchliche Figur mehr gesehen. (Andrea Heinz, derStandard.at, 6.4.2014)

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