London im Nebel

Einserkastl6. April 2014, 17:07
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Großbritannien erklärte erst einmal Europa zum Quell des giftigen Smogs

Trotz Frühlingswetters senkte sich vergangene Woche eine Art Nebel über London, für den die Stadt bis in die 1960er-Jahre berüchtigt war - und der vor Wochen Paris in Alarmzustand versetzt hatte: giftiger Smog.

Paris hatte fix reagiert, Metro- und Busbenützung ebenso freigegeben wie die Leihfahrrad- und Elektrofahrzeugflotte der Stadt - Autos mussten je nach Endziffer der Nummerntafel überhaupt stehenbleiben.

Großbritannien hingegen übte sich in einer Disziplin, die - gerade in Feinstaubfragen - eigentlich ein österreichisches Spezialgebiet ist: dem Nicht-einmal-Ignorieren. Okay, Umweltminister Owen Paterson erklärte erst einmal Europa zum Quell des Bösen. Der Smog sei nämlich, kein Schmäh, in Wahrheit "vom Kontinent herübergeweht".

Maßnahmen wurden keine gesetzt, im Gegenteil: Der für sein komisches Talent gerühmte Bürgermeister Boris Johnson ließ verlauten, dass er mittels Fahrradfahren selbst überprüft habe, wie gut die Luftqualität der Stadt tatsächlich sei - nämlich "perfectly fine" -, und man sich gefälligst nicht so haben solle.

Den Vogel schoss aber Cameron mit der Aussage ab, dass es sich beim Smog in Wahrheit um ein "natürlich vorkommendes Wetterphänomen" handle. Der war gut! Auch wir haben die Grenzwerte in den vergangenen Wochen regelmäßig überschritten - schau ma mal, ob unseren Wichtigen dann auch so lustige Ausreden einfallen. (corti, DER STANDARD, 7.4.2014)

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