Mozilla: Firefox-Hersteller in der Krise

6. April 2014, 13:31
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Abgang von kritisiertem Kurzeitchef hinterlässt angeschlagenes Unternehmen - Steht vor großen Herausforderungen

Es war ein Vorgang, wie er in vielen anderen Unternehmen nur schwer vorstellbar wäre: Nach tagelanger, scharfer - und zum Teil aus den eigenen Reihen kommender - Kritik an seiner finanziellen Unterstützung homosexuellenfeindlicher Organisationen verabschiedete sich Mozilla CEO Brendan Eich am Freitag von dem Softwarehersteller - nur zehn Tage nachdem er zum neuen Chef gekürt wurde.

Hintergründe

Ein Vorgang, dessen Ursache nicht nur in der höheren Sensibilität in den USA gegenüber der Diskriminierung von Homosexuellen zu suchen ist, sondern auch in der Unternehmenskultur von Mozilla selbst. Versteht man sich bei dem Firefox-Hersteller doch als die "Guten". Getragen von einer Non-Profit-Stiftung hat man sich ganz und gar dem Kampf für ein freies und für alle zugängliches Internet verschrieben - und eine bessere Gesellschaft im Allgemeinen.

Probleme

Mit dem Firefox, der einst die lange Jahre herrschende Alleinherrschaft des Internet Explorer gebrochen hat, hat man hier auch zweifelsfrei bedeutendes geleistet. Und doch steckt das Unternehmen mittlerweile in einer Krise. Denn selbst nach dem Abgang von Eich hat Mozilla noch drei große Problemfelder vor sich, wie der britische Guardian in einem aktuellen Kommentar zusammenfasst.

Desktop vs. Mobil

Das Kernproblem: Der Desktop verliert in Relation zu anderen Plattformen immer mehr an Bedeutung. Auf Smartphones und Tablets hat Firefox trotz starker Investitionen aber nur begrenzt Fuß fassen können. Dies mag wohl daran liegen, dass hier der Leidensdruck für die NutzerInnen bei weitem nicht so stark ist, wie er einst am Desktop war. Basieren doch die unter Android und iOS genutzten Standard-Browser allesamt selbst auf äußert aktiv weiterentwickelten Rendering Engines wie WebKit oder Blink - die noch dazu wie der Mozilla-Code Open Source sind.

Firefox OS

Bei Mozilla ist man sich dieses Problems natürlich bewusst, und setzt mittlerweile an anderer Stelle an: Mit Firefox OS bietet man ein vollständiges mobiles Betriebssystem an, dass mehr Offenheit als Konkurrenten wie Android verspricht. Dessen Erfolg will sich bisher aber nicht so recht einstellen, womit Problemkreis zwei umrissen wäre.

Abhängigkeit

Zu guter Letzt gibt es noch eine nicht zu unterschätzende finanzielle Realität: Mozilla ist beinahe zur Gänze von einem anderen Unternehmen abhängig - und noch dazu von einem direkten Mitbewerber im Browsermarkt: Google. Der hat zwar ein gesteigertes Interesse an einer Kooperation, immerhin gilt es über die Suchmaschinenanbindung möglichst viele NutzerInnen zu Google zu bringen, mit sinkendem Marktanteil könnte dies langfristig trotzdem zum Problem werden.

Ausblick

Ein neuer Mozilla-CEO steht also vor einigen großen Aufgaben. Zunächst gilt es aber überhaupt einmal geeignete KandidatInnen zu finden... (red, derStandard.at, 6.4.2014)

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    grafik: mozilla
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