Chelsea stampft über Stoke an die Spitze

5. April 2014, 20:36
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Jose Mourinho will auch als Tabellenführer nichts vom Titel wissen, die Potters konnten ihn jedenfalls kein zweites Mal in einer Saison überraschen

"Die Tabelle täuscht", versicherte Jose Mourinho seinen Standpunkt. Der Portugiese mit aktueller Vorliebe zum britischen Understatement mag sein Chelsea nicht als Teilnehmer im englischen Titelkampf betrachten. Die Zahlen sprechen nach dem 3:0 (1:0)-Erfolg gegen Stoke City am Samstag freilich eine andere Sprache. Die Blues übernahmen in der 33. Runde der Premier League zumindest vorübergehend die Tabellenführung und revanchierten sich zudem für die bemerkenswerte 2:3-Niederlage gegen die Potters im Hinspiel. Während Manchester City nach seinem 4:1 gegen Southampton immer noch hinter den Londonern liegt, hat Liverpool freilich am Sonntag bei West Ham die Chance, wieder an die Spitze zu klettern.

An der Stamford Bridge, seiner uneingenommenen Ligafestung, veränderte Mourinho seine Startelf gegenüber der empfindlichen 1:3-Niederlage bei Paris SG unter der Woche an vier Stellen. Unter anderem bekam Fernando Torres wieder eine Chance. Über die Zukunft des einstigen Ausnahmestürmers bei den Blues schwebten zuletzt wieder Zweifel. "Ja, er hat hier eine Zukunft", versicherte Mourinho Journalisten auf entsprechende Nachfragen. Marko Arnautovic spielte bei Stoke gegen seinen früheren Coach nach zuletzt starken Leistungen wie gewohnt von Beginn am linken Flügel.

Stokes Urlauber

Chelsea übernahm von Beginn weg die Initiative, kam nach zehn Minuten zu mehreren halbgaren Möglichkeiten. Die erste Chance der Gäste kam nach einer Viertelstunde aus einer Ecke, die wie alle tornahen Standardsituationen von Arnautovic getreten wurde. Ryan Shawcross verpasste aber mit seinem Kopfball das Tor. Stoke drohte die Tiefe der eigenen Hälfte, weil der Mannschaft die Klasse fehlte um ihre Gegenstöße fertig zu spielen. Immer wieder eröffnete man mit schnellen Ballverlusten Chelsea die Möglichkeit selbst gefährlich zu werden.

Lediglich Arnautovic nahm den Kampf mit seinem Gegenüber Branislav Ivanovic an und rückte weit auf. Potters-Trainer Mark Huhges ("Ich hab erwartet, dass wir uns hier besser schlagen. Vielleicht waren manche schon im Urlaubsmodus") pfiff "Arnie" aus Furcht vor allzu viel Räumen für Chelsea aber schnell zurück. Stoke lief sich immer wieder rechts fest, der ÖFB-Internationale diente als Anspieloption zum Seitenwechsel. Was jedoch nur allzu selten gelang.

Debütant sorgt für Führung

Stoke ist als Team im Vergleich zu den Vorsaisonen deutlich gewachsen, braucht allerdings an mehreren Stellen noch Verstärkungen um den Traum von der oberen Tabellenhälfte zu einer permanenten Realität zu machen. Immerhin ist das Team immer noch Zehnter und damit auf Kurs zum besten PL-Saisonresultat aller Zeiten.

Nach einer halben Stunde ging Chelsea schließlich verdient in Führung. Stoke-Tormann Asmir Begovic hatte nach Paraden gegen Willian (24.) und Fernando Torres (24.) gegen den Abschluss von Mohammed Salah schließlich keine Chance. Der Ägypter und Ex-Basler krönte damit seinen ersten Einsatz in der Startaufstellung von Chelsea.

Vor der Pause erhöhten die Blues den Vorsprung aber nicht mehr, ein vermeintlicher Treffer von Ivanovic wurde  korrekterweise wegen Abseits aberkannt.

Adam sorgt für Härte

Vor über 41.000 Besuchern wechselte Hughes zur Pause gleich an zwei Positionen. Charlie Adam sollte im Mittelfeld statt des unsichtbaren Wilson Palacios die Bälle verteilen. Der am Ball ebenso begabte wie gegen den Ball rustikale Adam feierte seine Einwechslung, indem er Andre Schürrle mit einem überharten Einsteigen aus dem Spiel nahm . Adam wurde dafür ebenso wenig verwarnt, wie wenig später für das Massieren des Brustkorbs von David Luiz mit den Stoppeln. Mourinho: "Ich mag aggressiven Fußball".

Entscheidung nach einer Stunde

Nach einer Stunde sorgte schließlich der zweite Pausentausch von Hughes unfreiwillig für die Entscheidung. Andy Wilkinson legte Salah im Strafraum gar patschert, Frank Lampard verwertete den Elfmeter. Nicht direkt, aber im Nachschuss (61.). Chelsea wollte den Sack wenige Tage vor dem Rückspiel gegen PSG nun schnell zumachen. Willian besorgte unbedrängt mit einem herrlichen Schlenzer ins lange Eck (72.) den Endstand.

Die Sache hätte vielleicht noch einmal interessanter werden können, hätte Arnautovic den brillianten Pass von Whelan in seinen vollen Lauf kurz davor besser kontrollieren können (64). Es war allerdings die einzige wirklich gute Aktion der Gäste. So war die Schlussphase, in der der Arnautovic anstelle von Peter Crouch die Solospitze übernahm, für beide Mannschaften eher witzloses Beiwerk. (Tom Schaffer aus London, derStandard.at, 5.4.2014)

  • Willian und Chelsea jubeln.
    foto: ap/grant

    Willian und Chelsea jubeln.

  • Arnautovic im Duell mit Ivanovic.
    foto: reuters/martinez

    Arnautovic im Duell mit Ivanovic.

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