Beteiligung am Völkermord in Ruanda: Erneut Vorwürfe gegen Frankreich

5. April 2014, 20:54
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Ruandischer Präsident Kagame prangert Beteiligung französischer Armee an

Kigali/Paris - Ruandas Präsident Paul Kagame hat Frankreich erneut eine Beteiligung an dem Völkermord in dem ostafrikanischen Land vor 20 Jahren vorgeworfen. Frankreich und Belgien hätten bei der "politischen Vorbereitung" der Massenmorde im Frühjahr 1994 eine "direkte Rolle" gespielt, sagte Kagame in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung "Jeune Afrique".

Französische Soldaten, die für einen humanitären Militäreinsatz in der früheren belgischen Kolonie stationiert waren, seien "Akteure" und "Komplizen" bei den Massakern gewesen.

800.000 Tote

Dem Völkermord in Ruanda waren rund 800.000 Menschen zum Opfer gefallen, die meisten gehörten der Minderheit der Tutsi an. Die dominierende Bevölkerungsgruppe der Hutu hatte nach dem tödlichen Anschlag auf Präsident Juvenal Habyarimana einen wochenlangen Rachefeldzug gegen die Tutsi gestartet. Ein ruandischer Untersuchungsbericht kam 2008 zu dem Schluss, dass das französische Militär die für die Massaker verantwortlichen Milizen ausgebildet habe. Einige französische Soldaten sollen demnach sogar selbst gemordet haben.

Frankreich nimmt aus Protest gegen die Vorwürfe nicht an den Gedenkfeiern zum Völkermord teil. Man sei über die Anschuldigungen sehr erstaunt gewesen, teilte das Außenministerium am Samstag mit. Das stünde im Widerspruch mit dem seit Jahren eingeläuteten Prozess des Dialoges und der Aussöhnung zwischen beiden Ländern. Justizministerin Christiane Taubira wollte zu der zentralen Gedenkfeier in Kigali am Montag reisen.

Im Februar 2010 hatte der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Versöhnungsbesuch in Ruanda "schwere Fehleinschätzungen" eingestanden. Frankreich und die internationale Gemeinschaft hätten nicht genug unternommen, "dieses abscheuliche Verbrechen zu verhindern und aufzuhalten", sagte Sarkozy damals.  (APA, 5.4.2014)

  • Schädel von Opfern des Völkermordes in einer Gedenkstätte in Kigali.
    foto: reuters/khamis

    Schädel von Opfern des Völkermordes in einer Gedenkstätte in Kigali.

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