Stimmenauszählung nach Präsidentenwahl in Afghanistan begonnen

Ansichtssache6. April 2014, 08:05
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Kabul - Nach der Präsidentenwahl in Afghanistan hat die Unabhängige Wahlkommission (IEC) mit der Auszählung der Stimmen begonnen. Die Stimmzettel würden erst in den jeweiligen Wahllokalen und dann zur Kontrolle erneut in der IEC-Zentrale in Kabul gezählt, sagte Kommissionssprecher Nur Mohammad Nur am Sonntag.

Trotz Anschlagsdrohungen der Taliban hatten sich zuvor rund sieben Millionen Afghanen an der Präsidentschaftswahl beteiligt. Vor den mehr als 6.000 Wahllokalen bildeten sich am Samstag zum Teil lange Schlangen, die Wahlkommission (IEC) verlängerte die Öffnungszeit um eine Stunde. Nach Einschätzung der IEC lag die Beteiligung bei mehr als 50 Prozent.

Die Wahllokale öffneten um 7.00 Uhr Ortszeit (04.30 Uhr MESZ) und schlossen nach der Verlängerung um 17.00 Uhr (14.30 Uhr MESZ). In Kabul, der Stadt Herat im Westen, Jalalabad im Osten und Kandahar im Süden wurden lange Schlangen von Wählern beobachtet. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Wahl als zukunftsweisend für das von Gewalt gezeichnete Land. In einer Rede an die Nation sagte der scheidende Präsident Hamid Karzai, die Wahl und die große Beteiligung seien "ein paar Schritte in Richtung Frieden, Stabilität und Entwicklung" gewesen.

Um die Nachfolge Karzais bewarben sich acht Kandidaten. Am heutigen Sonntag soll die Auszählung der Stimmen beginnen. Es galt als unwahrscheinlich, dass einer der Kandidaten schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringen könnte. Vorläufige Auszählungsergebnisse sollen am 24. April vorliegen, die Stichwahl dürfte am 28. Mai stattfinden. Gelingt der Machtwechsel von Karzai zu seinem Nachfolger, ist es der erste Übergang von einer demokratisch legitimierten Staatsführung zu einer anderen.

Kein Antritt Karzais

Karzai führte das Land am Hindukusch seit dem Sturz der Taliban im Herbst 2001. Er durfte nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Unter den acht Kandidaten, die sich um seine Nachfolge bewarben, gelten Karzais langjähriger Rivale Abdullah Abdullah, der Intellektuelle Ashraf Ghani und der frühere Außenminister Salmai Rassul als Favoriten. Ghani sprach von einem "Tag des Stolzes". Die starke Beteiligung zeige die "Entschlossenheit" der Afghanen, eine "bessere Zukunft" aufzubauen.

Obama sagte, die Wahl sei "entscheidend, um die demokratische Zukunft und die weitere internationale Unterstützung zu sichern" Die USA erwarteten, dass die afghanischen Wahlbehörden in den kommenden Wochen bei der Ermittlung des Wahlergebnisses ihre Pflicht erfüllten, erklärte Obama am Samstag in Washington. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach von einem "historischen Moment". Er lobte die Arbeit der afghanischen Sicherheitskräfte.

Mitarbeiter der Wahlkommission getötet

Die Abstimmung verlief weitgehend friedlich, dennoch kam es zu gewaltsamen Zwischenfällen. In der nordafghanischen Provinz Kunduz sind einen Tag nach der Präsidentenwahl bei einem Anschlag zwei Mitarbeiter der Wahlkommission (IEC) und ein Polizist getötet worden. Ihr Fahrzeug transportierte Wahlurnen, als es am Sonntag in Khanabad in eine Sprengfalle geraten sei. Wahlurnen und Stimmzettel seien bei dem Anschlag zerstört worden. In der südlichen Provinz Logar wurden in einem Schulgebäude, das als Wahllokal diente, bei einer Explosion ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt, wie Bezirkschef Abdul Hamid sagte. Innenminister Omar Daudzai sagte am Samstag, in den zurückliegenden 24 Stunden seien insgesamt vier Zivilisten, neun Polizisten und sieben Soldaten getötet worden. Viele Anschläge seien vereitelt worden.

Landesweit waren 400.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. 211 von 6423 Wahllokalen blieben nach Angaben der Wahlkommission aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Taliban hatten ihre Angriffe zuletzt verstärkt, um die Abstimmung zu stören. (APA/Reuters, 6.4.2014)

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