"Spindi, wir wissen, wo die Hypo steht!"

Ansichtssache4. April 2014, 21:24
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Graz - Zornig aber friedlich demonstrierten am Freitagabend rund 400 Menschen in Graz bei einer spontan privat und parteiunabhängig organisierten Demo gegen die Rettung der Hypo Alpe Adria und für einen Untersuchungsausschuss. "Parteiwerbung ist ausdrücklich nicht erwünscht" hieß es schon im Vorfeld auf der für die Demo eingerichteten Facebook-Seite "Kundgebung für sofortige Hypo-Aufklärung". Neben vielen "Normalbürgern", Organisationen und der Plattform 25, die seit 2011 den Protest von tausenden steirischen Bürgern und Organisationen und Vereinen gegen Kürzungen im Sozialbereich bündelt, waren aber noch zumindest zwei Parteienvertreter unter den Rednern. Am Sonnenfelsplatz am Gelände der Uni Graz, wo der Demozug startete sprach Werner Kogler von den Grünen von einem "Hainburg der Finanzpolitik" und Werner Murgg, Landtagsabgeordneter der Steirer-KPÖ, kritisierte, dass die Bundesregierung mit der Rettung der Hypo "die kroatische Oligarchie" bediene.

Statt Parteilogos sah man jede Menge kreative Transparente oder auch einfach nur in die Höhe gehaltene Din-A-4-Zettel: Zwei junge Männer trugen Blätter, auf denen "Jetz' heißts abspeck’n Erwin!" und "Spindi, wir wissen, wo die Hypo steht!" in Leuchtstiftfarbe prangte. "Für Transparente haben wir kein Geld mehr, wir müssen ja für die Hypo bezahlen", sagt einer der beiden zu derStandard.at.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Steuern klaut!", und "U-Ausschuss ist ein Muss" skandierten die Demonstranten auf ihrem Weg von der Karl-Franzens-Uni in die Innenstadt. Eskortiert wurden sie von auffallend freundlichen Polizeibeamten.

"Wir spüren die ganzen Schließungen von Dienststellen auch ordentlich, das können'S uns glauben", erzählt ein Polizist, der den Demozug begleitet, während vorneweg ein Dienstfahrzug der Polizei fährt und für freie Bahn für die Demo sorgt. Yvonne Seidler, gemeinsam mit Gerhard Zückert von Beginn an Sprecherin der Plattform 25, erzählt derStandard.at, die Polizei habe die Veranstalter sogar angerufen, um sie daran zu erinnern, dass die Demo rechtzeitig angemeldet wird. "Sehr zuvorkommend", freut sich Seidler.

Bei der Schlusskundgebung vor dem steirischen Landtag in der Herrengasse sprechen Seidler und Zückert auch noch zu den Demonstranten. Dass die Regierung nicht das Volk, sondern die Interessen von Spekulanten schütze, so Zückert, sei "nicht nur unmenschlich und pervers, sondern zutiefst undemokratisch".

"Wir sind das Volk" schreit ein Mann aus der Menge und alle stimmen lauthals ein. (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 4.4.2014)

foto: standard/colette m. schmidt
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Am Eisernen Tor.

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Schlusskundgebung vor Landtag in der Herrengasse.

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