Einsamkeit lässt Graupapageien früher altern

4. April 2014, 22:00
5 Postings

Telomere sind eine Art von Schutzkappen an den Enden von Chromosomen - Wiener Forscher fanden nun heraus, dass einsame Graupapageien deutlich kürzere Telomere haben

Wien - Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Diese bekannte Weisheit ließe sich um andere Ausnahmen erweitern: Die Chromosomen in unseren Zellen zum Beispiel haben sogar mehrere Enden. Diese Schutzkappen der DNA werden Telomere genannt und lassen bestimmte Rückschlüsse darüber zu, wie nahe oder fern unser eigenes Ende ist: Denn je kürzer die Telomere sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zellen nicht mehr richtig funktionieren und es zu Erkrankungen kommt.

Mitverantwortlich für die Länge der Telomere ist ein Enzym namens Telomerase, das für die Auffrischung der Schutzkappen sorgt. Entdeckt wurden die Telomerase und ihre Wirkung von Elizabeth Blackburn, die dafür vor fünf Jahren den Medizin-Nobelpreis erhielt. Die in Kalifornien forschende Molekularbiologin hat aus ihren Entdeckungen auch Kapital geschlagen: Sie gründete eine Firma namens Telome Health Inc., die nicht nur Zusammenhänge zwischen Telomerlängen und Krankheiten analysiert, sondern auch entsprechende Längentests anbietet.

Eine der großen Forschungsfragen ist natürlich die, was zu einer Verkürzung der Telomere führt. Als einer der wichtigsten Umweltfaktoren, die zu dieser messbaren Zellalterung beitragen, gilt bei Mensch und Tier Stress. Was die verschiedenen Lebewesen stresst, hängt indes von den Lebensgewohnheiten der jeweiligen Art ab.

Graupapageien zum Beispiel sind sehr soziale Tiere, die aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihrer Sprachbegabung zu gefragten "Mitarbeitern" in der Kognitionsforschung zählen. Und obwohl das österreichische Tierschutzgesetz die Einzelhaltung der Vögel verbietet, sind Graupapageien in Privathaushalten oft ohne Artgenossen untergebracht.

Forscher der Vetmed-Uni Vienna haben nun erstmals untersucht, ob sich die längerfristige soziale Isolation der Tiere tatsächlich auch auf die Telomerlänge und damit auf die Zellalterung auswirkt. Konkret analysierten die Doktorandin Denise Aydinonat und ihre Kollegen DNA-Proben von bis zu 45 Jahre alten Graupapageien, die im Rahmen von Routineuntersuchungen gewonnen wurden.

Beim Vergleich der Telomerlängen zeigte sich zum einen, dass älter Vögel - wie nicht weiter überraschend - deutlich kürzere Telomere hatten als jüngere. Sehr viel wichtiger ist aber die zweite, im Fachblatt "PLoS One" veröffentlichte Erkenntnis: Einzeln gehaltene Graupapageien wiesen tatsächlich, wie vermutet, deutlich kürzere Telomere auf als gleichaltrige Tiere, die mit einem Partner lebten. Womit bewiesen ist, dass Einsamkeit für die intelligenten Vögel Stress bedeutet - und sie rascher altern lässt. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 5.4.2014)

  • Weil Graupapageien sehr soziale Tiere sind, ist die Einzelhaltung der klugen Vögel offiziell verboten. Wiener Forscher konnten nun eine molekularbiologische Begründung des Verbots nachliefern.
    foto: reuters/olum

    Weil Graupapageien sehr soziale Tiere sind, ist die Einzelhaltung der klugen Vögel offiziell verboten. Wiener Forscher konnten nun eine molekularbiologische Begründung des Verbots nachliefern.

Share if you care.