Raus aus der Untätigkeit: Asylwerber als Workshopleiter

6. April 2014, 14:31
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Der Verein KAMA bietet die Möglichkeit sinvoller Betätigung während jahrelanger Asylverfahren. Nun hat der Verein auch eine Zweigstelle in Linz aufgebaut

Die Initiative KAMA gibt es in Wien bereits seit 2006, das Prinzip dahinter ist einfach: Möglichst vielen Asylsuchenden, möglichst unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten, damit sie die Wartezeit sinnvoll nutzen können. Raus aus der Untätigkeit, lautet das Credo. Denn: Wegen jahrelanger Asylverfahren und strikter Beschäftigungsverbote haben Asylsuchende nur wenig Spielraum, sich durch sinnvolle Betätigung zu verwirklichen. Mit Hilfe des Vereins können Asylwerber, Migranten und Asylberechtigte verschiedenste Workshops anbieten, die von Interessierten entweder gratis oder auf Spendenbasis besucht werden.

Talente und Kompetenzen

Die Kurse sind themenbezogen aufgebaut und orientieren sich nach den individuellen Kompetenzen der Kursleiter. Angeboten werden unter anderem Sprach-, Tanz-, Sport-, Kunst- und Kochkurse. Nun wurde im Jänner 2014 in Linz ein weiterer Standort eröffnet.

"Beim ersten Kochkurs wurde senegalesisch gekocht", erzählt Anita Pichler, 25, Mitverantwortliche für KAMA-Linz. Sie hat zusammen mit Katja Kloimstein, 28, den oberösterreichischen Standort aufgebaut. "Es hat mit unserer Masterarbeit begonnen, da haben wir per Bedarfserhebung untersucht, was der Stadt fehlt", erklärt die studierte Sozialarbeiten Pichler. Nach etlichen Anfragen von interessierten Privatpersonen aus Linz wurde das Projekt unter der Schirmherrschaft des KAMA-Wien dann umgesetzt.

Brückenbauen

Durch die Kooperation mit Arcobaleno-Linz, einem Verein, der die Begegnung zwischen den Kulturen fördert, konnte die erste Idee Kochkurs in Linz in die Tat umgesetzt werden. Die Kochworkshops finden dreimal pro Monat statt und sind ständig ausgebucht. Doch da es den Verein nicht lange gibt, steht das Projekt noch auf wackligen Beinen.

Wichtigstes Anliegen zurzeit ist es, in Linz neue Kooperationspartner an Land zu ziehen und Brücken zu anderen Vereinen zu schlagen, wie Pichler betont. Bei den 12 Kursleitern, die allesamt auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten, kommt diese neue Initiative gut an: "Alle, die mitmachen, haben Spaß daran und können auch neue Kontakte knüpfen, die ihnen weiterhelfen", erzählt Pichler. Manche von ihnen sind seit vier Monaten in Österreich andere schon seit neun Jahren, was sie verbindet sind die zahlreichen Behördengänge und das Warten auf einen Bescheid.

Verschiedene Herkunftsländer

Die Kursleiter stammen aus Kenia, Syrien, Guinea, der Elfenbeinküste, Afghanistan, Gambia und dem Irak. Das ehrenamtliche Linzer Team besteht aus drei Mitarbeiterinnen, ihre Ziele sind auf der Homepage nachzulesen: "Einerseits die Unmöglichkeit zu arbeiten und damit Geld zu verdienen, andererseits die Schwierigkeiten der Konstruktion geeigneter Kontaktsituationen in der neuen Lebenswelt". Weitere Projekte sind in Planung, aber zunächst soll eine solide Basis in Linz entstehen, sagt Pichler. (Toumaj Khakpour, daStandard.at, 6.4.2014)

  • Beim ersten Kochkurs bei KAMA Linz wurde senegalesisch gekocht.
    foto: kama linz

    Beim ersten Kochkurs bei KAMA Linz wurde senegalesisch gekocht.

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