EZB dreht Hypo den Geldhahn ab

4. April 2014, 17:22
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Bank hofft auf fünf bis zehn Bieter für Südosteuropa

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Hypo Alpe Adria aufs Korn genommen. Die Staatsbank kann sich bei der EZB nicht mehr mit günstigem frischem Geld versorgen. Die EZB habe sie von diesem Service ausgeschlossen, teilte die Bank am Freitagabend ad hoc mit. Zudem sind Anleiheinvestoren betroffen, sie können ihre unbesicherten Hypo-Papiere nicht mehr bei der EZB hinterlegen, um günstiges Geld zu bekommen. Solche Papiere sind im Volumen von fünf Milliarden Euro im Umlauf.

Grund für die beiden Beschlüsse ist die aktuelle Kapitallücke. Erst ab Mittwoch - da findet eine Hauptversammlung statt - wird der Staat über eine Kapitalerhöhung 750 Mio. Euro in das Institut pumpen. Rund 550 Mio. davon braucht die Bank, damit sie ihre Bilanz 2013 erstellen kann. Ohne diese Geldspritze erfüllt sie die Kapitalvorschriften nicht. Die Sanktionsmaßnahmen richten sich gegen die Mutter Hypo International - nicht gegen ihre Töchter in Südosteuropa. Das Institut beschwichtigte: Man nehme die EZB-Refinanzierungsprogramme derzeit ohnehin nicht in Anspruch.

Die nahe Zukunft der Hypo steht also fest (Geldspritze), die fernere noch nicht ganz. Die ÖIAG sucht Berater für die Vorbereitung der Abbaubank, die Bank Käufer fürs Südosteuropa-Netzwerk. Interessenten müssen bis Ende April verbindliche Angebote legen. Man erwartet fünf bis zehn Bieter, es gebe zudem "ernsthafte Interessenten, die überlegen, zumindest Teile des Netzwerkes zu kaufen", sagt ein Involvierter.

Auch weniger ernsthafte Interessenten dürften unterwegs sein. Jüngst meldete sich der Deutsche Hubertus Maximilian Prinz zu Hohenlohe-Langenburg per Mail bei Hypo-Eigentümervertreter Michael Spindelegger. Sein Mandant, der Bosnier Ivan Zilic, "möchte die (...) Hypo Alpe Adria mit Ihren (sic) Schulden kaufen", ließ er den Minister wissen. Zilic erwarte, "dass die Republik ihm beim Kauf drei Mrd. Euro zahlt". Das Ministerium hat den Berater Zilics kontaktiert, man kontaktiere alle Interessenten. Seine zweite Frage soll gewesen sein: "Und, wer zahlt mein Honorar?"

Auf politischer Ebene geht der Streit um den Beitrag Kärntens weiter. Finanzstaatssekretärin Sonja Steßl (SP) kritisierte Finanzminister Spindelegger (VP), weil der von Kärnten via Medien 500 Mio. Euro forderte. Kärntens Landeschef Peter Kaiser (SPÖ) sieht dafür keinen Rechtsgrund. Das Land will maximal noch 210 Millionen Euro zahlen. (gra, DER STANDARD, 5.4.2014)

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