Wiener Lagezuschläge legen zu

4. April 2014, 17:05
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Hohe Grundstückspreise heben Lagezuschläge mit an - Im 1. Bezirk steigt der Zuschlag von 5,70 auf 7,99 Euro

Mit der Erhöhung der Richtwerte per 1. April steigen auch die Lagezuschläge in Wien an. Die neue Lagezuschlagskarte der MA 25 wurde vor wenigen Tagen auf der Website der Stadt Wien veröffentlicht, Basis für die neuen Werte ist die Kaufpreissammlung der MA 69. In erster Linie hängen die Lagezuschläge damit von den Grundstückspreisen ab - und die sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Für AK-Wohnrechtsexperte Walter Rosifka ist es deshalb "eine traurige Tatsache, dass die Mieter im Altbau für die teuren Grundstücke zahlen müssen".

Tatsächlich weist die neue Karte starke Anstiege der Lagezuschläge aus, insbesondere im ersten Bezirk von bisher 5,70 auf nunmehr 7,99 Euro je Quadratmeter. In den Vierteln außerhalb des Rings sind immerhin noch 3,04 Euro pro Quadratmeter und Monat an Lagezuschlag möglich - zusätzlich zum neuen Wiener Richtwert von 5,39 Euro.

Abschaffung gefordert

Idee des Lagezuschlags war es, den Mieten eine Marktkomponente zu geben; im 19. Bezirk sollte mehr verlangt werden dürfen als am Gürtel. Mieterschützer wie Rosifka oder auch der Präsident der Mietervereinigung (MVÖ), Georg Niedermühlbichler, halten naturgemäß sehr wenig von dem System. Mit dem neuen Lagezuschlag von 7,99 Euro sowie weiteren zulässigen Zuschlägen komme man im 1. Bezirk schon in Richtwert-Miethöhen, "die teilweise über der Marktmiete liegen", so der MVÖ-Chef.

Die Mieterschützer fordern deshalb schon länger die Abschaffung des Lagezuschlags - genauso wie Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ); allerdings wäre dazu eine bundesgesetzliche Maßnahme erforderlich, denn die Lagezuschläge sind im Mietrechtsgesetz (MRG) geregelt.

"Karte steigert Transparenz"

Die Veröffentlichung der Lagezuschlagskarte sieht die Stadt als "unverbindliche Serviceleistung" für Mieter an, "um die Transparenz am Markt zu steigern", so mancher Mieterschützer stellt sich aber die Frage, ob es nicht eher ein Service für Vermieter ist, den die Stadt hier anbietet - oder ob die Karte nicht zumindest die Preise treiben könnte. "Einerseits ist die Veröffentlichung der Karte schlecht, weil sich manche Vermieter, die das vielleicht gar nicht wollen, dadurch gezwungen sehen könnten, höhere Mieten zu verlangen", sagt Wolfgang Kirnbauer vom Mieterschutzverband zum Standard. Andererseits habe die Karte "ohnehin nur bei den Schlichtungsstellen Relevanz", räumt er ein. "Externe Sachverständige kommen meist auf noch viel höhere Werte."

AK-Experte Rosifka sieht die Lagezuschlagskarte letztlich ebenfalls "eher neutral": "Es ist durchaus ganz geschickt, dass so die hohen Grundstückspreise sichtbar werden." (Martin Putschögl, DER STANDARD, 5.4.2014)

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