Stress in Chinas Banken nimmt zu

4. April 2014, 17:30
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Die Konjunkturerholung in den Schwellenländern lässt auf sich warten. Vor allem in Chinas Banken häufen sich die Probleme

Schanghai/London/Wien - Die Wirtschaft in den Schwellenländern ist nach wie vor im Bremsmodus. Im März ging der HSBC-Index der Bewertungen von Einkaufsmanagern im Verarbeitenden und im Dienstleistungsgewerbe von Schwellenländern auf 50,3 zurück. Im Vormonat lag er noch bei 51,1. Der März war der vierte Monat in Folge mit einem sinkenden Wert. Unter 50 kennzeichnet der Index einen Rückgang, über 50 ein Wachstum der Wirtschaft.

Einen Rückgang in Industrie und Dienstleistungen verzeichneten drei der vier größten Schwellenländer: China, Indien und Russland. Das am Freitag veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage unter Einkaufsmanagern von 8000 Unternehmen in 17 Ländern zeigt, dass China den zweiten Monat in Folge einen Rückgang verzeichnet. Indien ist wieder in eine Kontraktion zurückgefallen, und Russland erlebte den stärksten Rückgang seit Mai 2009. Eine Ausnahme bei den großen Schwellenländern bildet Brasilien, wo das Verarbeitende Gewerbe weiter zulegte. Die Geschäftserwartungen sind in allen vier Staaten aber niedrig.

Warnung vor dem Crash

Besonders in China häufen sich Warnungen vor einem Crash. Ein aufgeblähter Immobiliensektor, eine hohe private Verschuldung und die grassierende Korruption ließen das Wachstumsmodell zusammenbrechen, schreibt etwa der New Yorker Jurist und Autor Gordon Chang. Auch Star-Investor George Soros sieht die Volksrepublik vor einem unlösbaren Dilemma. Wenn die Führung das flaue Wachstum künstlich anfache, löse das eine Schuldenspirale aus: "Das wird China nur ein paar Jahre lang durchhalten."

Chinas Großbanken werden von ihrer leichtfertigen Kreditvergabe bereits eingeholt. Im Vorjahr schrieben die fünf größten Institute, die mehr als die Hälfte aller Kredite im Land vergeben, 59 Mrd. Yuan (6,9 Mrd. Euro) an uneinbringlichen Forderungen ab. Damit wurden 127 Prozent mehr faule Kredite ausgebucht als 2012. Einige Analysten halten es sogar für möglich, dass die Abschreibungswelle erst begonnen hat. Die chinesische Bankenaufsicht CBRC hat die Finanzinstitute des Landes aufgefordert, ihre Kontrollen fauler Kredite zu verschärfen und ihre Bilanzen zu stärken. Auch einen Stresstest hat die CBRC für die nächste Zukunft angekündigt.

Chinas staatliches Devisenamt warnt vor einem stärkeren Kapitalabfluss. Spekulationen über eine straffere Geldpolitik in den USA könnten dazu führen, dass im Jahresverlauf abermals vermehrt Mittel aus den Schwellenländern abgezogen werden. Dies könnte nun zunehmend auch China treffen. (Reuters; bpf, DER STANDARD, 5.4.2014)

  • Chinas Banken bekommen die Rechnung für ihre lockere Kreditvergabe. Die notleidenden Forderungen haben ein neues Rekordhoch erreicht und müssen abgeschrieben werden.
    foto: reuters/jason lee

    Chinas Banken bekommen die Rechnung für ihre lockere Kreditvergabe. Die notleidenden Forderungen haben ein neues Rekordhoch erreicht und müssen abgeschrieben werden.

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