Zwei Damen mit feurigen Erlösungsfantasien

4. April 2014, 17:28
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In der Komödie "Die Liste der letzten Dinge" wollen zwei Frauen die Welt von sich erlösen. Vorher haben sie aber noch einiges zu sagen

Sie sind nicht zum Vergnügen hier. Pia und Helen wollen ein Zeichen setzen, das Jesus alt aussehen lässt. Sie wollen die Welt von sich erlösen. Mitten in der Pampa, jede auf ihrem eigenen Scheiterhäufchen. Ob sie ihr hehres Vorhaben je durchführen, bleibt fraglich, schließlich haben sie sich in Theresia Walsers absurder Komödie "Die Liste der letzten Dinge", die im Kosmostheater die österreichische Erstaufführung erlebt, erst noch viel zu sagen.

Die beiden Opferwilligen sind grundverschieden und zugleich durch eine eigenartige Hassliebe aneinander gekettet. Die hysterische Helen (Cornelia Köndgen) ist hoffnungslos "tortengeil" und hat einen Koffer voller alter Fetzen (Ausstattung: Claudia Vallant) mitgebracht. Die protestantische Pia (Imke Büchel) wirkt mit ihrer Liebe zu Tracht und Bier vergleichsweise geerdet, ist aber mindestens ebenso verrückt. Im Geplauder der beiden Frauen blitzt zwar immer wieder Walsers Sprachwitz auf, oft sprudeln die Worte aber auch einfach ziellos dahin. Es könnte ewig so weitergehen, muss es aber nicht. Schließlich bringt die geheimnisvolle Georgina (Karin Yoko Jochum) das Vorhaben durcheinander.

Dora Schneider inszeniert den nicht unproblematischen Text in einer gleichermaßen clownesken und brutalen Aufführung erfreulich kurzweilig. Bleibt das Handeln von Helen und Pia bei aller Absurdität auch mehr konventionell als überraschend, so ist gerade die Vertrautheit des Abgründigen auf eigene Weise erschreckend. (wall, DER STANDARD, 5.4.2014)

Bis 19. 4.

Link

www.kosmostheater.at

  • Haben noch etwas vor: Imke Büchel (li.) und Cornelia Köndgen in "Die Liste der letzten Dinge".
    foto: frenzel

    Haben noch etwas vor: Imke Büchel (li.) und Cornelia Köndgen in "Die Liste der letzten Dinge".

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